" Binnen 4 Wochen wird jeder seine IBAN elektronisch versendet haben..."

Liebes Lage- Team, ich wohne in einer strukturschwachen, dünnbesiedelten und überalterten Region mit noch existenten „Funklöchern“ und arbeite mit Senioren /Hochbetagten und auch geistig behinderten Menschen. Es ist eine Illusion anzunehmen dass diese Bevölkerungsgruppe an der Digitalisierung in dieser und anderen Formen teilnehmen kann. Viele besitzen gar kein entsprechendes Endgerät oder können den Sachverhalt weder erfassen noch Lösen. Sicher haben einige von ihnen Bevollmächtigte und einige haben gesetzliche Betreuer, aber auch diese sind betagt oder überfordert/nicht technikaffin oder leben weit entfernt. Einzelhilfen, wie z.B. sozialpsychiatrische Dienste sind schon jetzt an der Belastungsgrenze. Wobei man bei deren Inanspruchnahme überhaupt erst verstanden haben muß, worum man bittet. Das ist die Lebenswirklichkeit außerhalb von Metropolen. Mir ist absolut unverständlich wie man mit einer gewissen Ignoranz diese Personengruppe beim Thema Digitalisierung völlig vergessen kann. Welche Möglichkeiten gibt es für diese Menschen?

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Was wären denn sinnvolle Hilfestellungen? Ich würde denken, dass die weitaus meisten Menschen in Deutschland das auf dem digitalen Weg machen wollen und können, wenn es einen konkreten Nutzen für sie bringt. Was bräuchte es, damit der Rest auch eine faire Chance bekommt?

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Ein Bankkonto haben diese Menschen aber?
Dann einfach den Bankberater kontaktieren. Er wird Hilfestellung geben und das schnell erledigen.

Gemäß § 139b Absatz 10 Satz 1 Nr. 3 Abgabenordnung (AO) können Bürgerinnen und Bürger ihre Kontoverbindung (IBAN und ggf. BIC) durch ihr kontoführendes Kreditinstitut an das BZSt übermitteln lassen. Hierfür muss das kontoführende Kreditinstitut durch die Kontoinhaberin/den Kontoinhaber beauftragt werden.
Das BZSt stellt Bürgerinnen und Bürgern hierfür ein Muster-Anschreiben zur Verfügung.
BZSt - IBAN-Übermittlung

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Bei Menschen, die eh im Zahlubgskontakt mit dem Staat stehen, sollte auch die IBAN bekannt sein.

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Sie muss aber an das Bundeszentralamt für Steuern gemeldet werden. Das muss aktiv vom Bürger vollzogen werden, z.B. per Elster.
Ich meine, dass lediglich Kindergeldempfänger automatisch erfasst werden, kann mich da aber auch irren.

Aber diese Menschen sind doch nicht abgehängt wegen solchen Leuten wie du es bist. Die Hilfestellung geben und den Menschen das Nötige näher bringen.
Somit wären diese Menschen nicht abgehängt und die Aussage steht. Innerhalb von 4 Wochen wären die absolut meisten IBANs bekannt.

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Leider nicht, ich mache seit Jahrzehnten meine Einkommenssteuererklärung und bekomme regelmäßig Geld zurück. Das lokale Finanzamt kennt also meine IBAN. Ich habe via Elster „nachgefragt“, ob sie schon beim Bund bekannt ist. Antwort: nein. Ich musste sie trotzdem nochmal dort hinterlegen.
Vielleicht DSGVO? Neuer Einsatzzweck muss nochmal bestätigt werden?

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Ich habe den Podcast und das hier mal zum Anlass genommen, meine IBAN zu melden.
Da ich schon bei Elster registriert war, hat es keine 2 Minuten gedauert.

Ohne bereits vorhandene Registrierung wäre es mir aktuell den Aufwand vermutlich nicht wert gewesen. Sobald es aber dadurch Geld gibt, hätte ich es natürlich sofort gemacht.
Leider eine vertanene Chance der Regierung, das mal zumindest auszuprobieren.
Man hätte ja auch, wenn man den Tankrabatt für das richtige Mittel hält, auch beides machen können.
Zum Beispiel den Rabatt 5 Cent kleiner machen und dafür 10 € für jeden, der seine IBAN registriert

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Angenommen, das stimmt. Was ist die Konsequenz? Weiterhin keinen Auszahlungsmechanismus bereitstellen, weil eine gewisse Menge von Deutschen nicht ihre IBAN hinterlegen können oder wollen? So werden wir nie weiterkommen.

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Das geht mittlerweile auch bei vielen Bank-Apps. Diese können die IBAN auch melden.
Bei der Sparda-Bank ist es unter „Menü“, „Services“, „Steuern und Finanzbehörden“, „IBAN melden“ zu finden und dauert ebenfalls weniger als 2 Minuten.

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Ja, mit Elster-Zugang ist das wirklich schnell gemacht, ich habe am gleichen Tag noch die Nachricht bekommen, dass meine IBAN angenommen wurde.

Mir nicht. Wenn wir immer und überall alle Edge-Cases bedenken, dann geht gar nichts voran. Ja, das ist jetzt n Bisschen doof für die Gruppe von der du sprichst, aber die profitiert auch nicht vom Tankrabatt, von daher ist es halt auch grad mal egal.

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Ich wurde bei der letzten Steuererklärung via Elster dazu aufgefordert meine IBAN zu prüfen und die Freigabe für Auszahlungszwecke des Staates zu bestätigen.

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Ich mache meine Erklärung seit Jahrzehnten mit Steuerfuchs im Browser und importiere immer meinen Kram vom Vorjahr. Allerdings habe ich in diesem Jahr Belege via Elster nachgereicht :man_shrugging:

Es geht ja um den Vergleich Optionen. Wo profitiert die genannte Personengruppe vom Tankrabatt? Vermutlich nicht.

Eventuell fallen Sie auch bei der IBAN durchs Raster, wenn Sie keine helfende Hand haben. Aber das wird bei jeder staatlichen Hilfe sein, für die man irgendeinen Antrag stellen muss.

Direktzahlungen für fast alle erscheinen mir weiterhin als bessere Option als der Tankrabatt, um für Entlastung in der Breite zu sorgen.

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Jaaaa! Bitte in der Lage bekannt geben: Jeder kann zum Zwecke der Direktauszahlung seine IBAN bei ELSTER hinterlegen!

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Der Unterschied liegt in der Pauschalisierung. Du sagst „die meisten“, Lage sagt „jeder“ und auch wenn es nur ein rhetorisches Mittel ist und auch den beiden klar sein wird, dass nicht 100% jede *r das macht oder kann, sind Pauschalisierungen dieser Art doch auch eine unbewusste Art der Ausgrenzung, auf die Mutzaela zurecht hinweist.

Beim Thema Digitalisierung ist es wie in vielen anderen Bereichen sehr offensichtlich, wie viele Menschen nicht mitgedacht und abgehängt werden. Das Problem liegt aber nicht in digitalen Lösungen, sondern in der fehlenden Anbindung und in fehlenden sozialen Hilfen. Klar könnte eine Pflegerin oder ein Pfleger bei diesen Dingen helfen, aber von diesen Leuten gibt es zu wenig, weshalb in Ruhe Zeit nehmen und z.B. dem Senioren das Prozedere beizubringen, den Luxus haben viele nicht. Und selbst die Zeit, es mal eben mit drei Klicks für diese zu machen, haben viele nicht, abgesehen von der Entmündigung, die das mit sich bringt.

Man muss diese Situationen mitdenken, sonst haben wir wieder das altbekannte Problem, dass marginalisierte Gruppen noch mehr Diskriminierung erfahren als ohnehin schon.

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Wir alle wollen weniger Bürokratisierung. Wenn ich aber den Staat verpflichte, jeden Sonderfall mitzudenken und abzudecken, bedeutet das auch, für alle Sonderfälle entsprechende Strukturen aufzubauen oder zu erhalten.
Im schlimmsten Fall wird dann bei einer Reform eine fast nicht mehr genutzte Struktur übersehen und der Staat ist in der Schuld, seiner Fürsorge nicht nachgekommen zu sein.
In diesem Fall wurden wirklich genug Möglichkeiten geschaffen. Wer sein erstes Kind bekommt, wird mit seiner IBAN automatisch erfasst, die Banken, Lohnsteuerhilfen und Steuerberater können Massenanmeldungen vornehmen und ansonsten macht man es selbst über Elster.
Kritischer war da schon die Entscheidung von Wissing, das Deutschlandticket nur über Handy-App anzubieten. Da sind dann zum Glück regionale Anbieter in die Bresche gesprungen und bieten Karten mit Code an. Aber auch das sind natürlich jetzt teure Doppelstrukturen.

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Es fehlt zunächst noch der Beweis, dass jemand tatsächlich „vergessen“ wurde. Banken könnem das für Alte wahrscheinlich auch in der Filiale machen. Geistig Behinderte sind in Betreuung oder sollten es selber können. Usw.

Sicher ist, dass es für Menschen die sich zum Spaß ein Elster Konto anlegen und wissen, wie man die eID benutzt, einfacher ist. Aber das lässt sich nicht verhindern.

Aber daraus wird noch keine Benachteiligung. Oder eine Verschlechterung des Status Quo. Wenn irgendwann man die erste Leistung kommt, die darüber abgerechnet wird, dann kann es sich weiterhin um eine Antragsleistung handeln, dann word man bei der Beantragung die IBAN angeben können. Und selbst bei einer antragslosen Auszahlung wird es für nicht Registrierte eine Antragsmöglchkeit geben, mit der man dann auch dauerhaft ins System kommt.

Unterm Strich ist das pragmatische „Zurücklassen“ lediglich die (einmalige?) Beibehaltung des Status Quo, bei gleichzeitiger Erleichterung für die absolute Mehrheit der Menschen. Finde ich akzeptabel.

Vermutung/Idee: Es liegt einfach daran, dass viele Menschen mehr als ein Konto haben. Die IBAN gibt es dann nicht. Das Steuer-Konto ist vielleicht gar nicht gewünschte.

Ich bin jedenfalls froh, dass der Staat hier einmal direkt nach dem Input fragt, der benötigt wird: „Auf welches Konto sollen wir unsere Geldgeschenke überweisen?“
Das ist mir deutlich lieber, als dass der Staat sich aus Kindergeld-Überweisungen, Rentenzahlungen, Krankenkassen-Daten und Einkommenssteuererklärungen irgendwas zusammenfrickelt. Diese Daten überschneiden und widersprechen sich, und es ist viel schwieriger, die natürlichen Personen auseinander zu halten. Da wird dann irgendeine IBAN ausgewählt, die im besten Fall nicht die ist, die ich gerne hätte, und im schlimmsten Fall nichtmal meine ist, sodass die Überweisung scheitert oder jemand anders mein Geld hat.

Zum Thread-Thema:

Es wäre aber genau Aufgabe eines Bevollmächtigten oder Betreuers, solche Angelegenheiten zu regeln. Von einer solchen Person muss ich heutzutage auch die Bedienung eines Computers und des Internets erwarten können. Schließlich kümmern die sich auch z.B. um einen Handy-Vertrag für ihre Betreuten.
Dazu noch der Hinweise hier im Thread, dass ich das Problem mit einem Kontakt an die kontoführende Bank auslagern kann.

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