Sorry Frau Kunkel, aber ich muss das jetzt loswerden: einen teilweise mit Banalitäten gefüllten Beitrag über E-Bikes mit den Worten einzuführen: “ich fahre kein Fahrrad, ich habe kein Fahrrad und ich interessiere mich nicht für Fahrräder”, um dann im Laufe der Diskussion mit Detailwissen zu E-Bikes zu glänzen - das muss man erst mal hinbekommen. Würde ich jetzt mal wohlwollend als "suboptimal” bezeichnen.
Schwierig.
Also vorab: Ich fand die Einleitung auch schwierig. Also vor allem die Einleitung der Moderatorin, sich nicht für E-Bikes zu interessieren. Sie nicht zu fahren ist eine Sache, aber als Moderatorin eines E-Mobilitäts-Podcasts sollte zumindest ein Interesse an und damit eine offene Haltung gegenüber E-Bikes existieren, um nicht die Kritik von anderer Stelle zu bestätigen, dass der Fokus des Podcasts zu sehr auf dem Auto liege. Mit dieser Einleitung hat man diese Kritik leider auf denkbar schlechte Art bestätigt, während man gleichzeitig versucht, sie mit einem Beitrag über E-Bikes zu entkräften. Das ist strategisch etwas suboptimal.
Andererseits war die Einleitung natürlich auch einfach ehrlich - die Frage ist, ob eine Moderatorin Interesse vorgeben sollte, auch wenn es eigentlich nicht vorhanden ist, um so den Erwartungen der Zuhörer zu entsprechen und kein negatives Framing zu setzen. Denn wenn die Moderatorin schon das Framing „E-Bikes sind für mich uninteressant“ setzt, kann das natürlich schnell von den Zuhörern übernommen werden.
Wo ich dir nicht zustimme, ist die Kritik daran, dass es negativ sei, dann „mit Detailwissen zu glänzen“. Hier muss man der Moderatorin doch eher zu Gute halten, dass sie trotz persönlichem Desinteresse an der Sache ihre journalistische Pflicht zur Recherche und Vorbereitung des Podcasts ernst genommen hat. Das sollte man einer Moderatorin m.M.n. nicht vorwerfen.
Ich würde mir daher schlicht wünschen, ein Desinteresse an einem Thema nicht so öffentlich zu bekunden. Mangelnden persönlichen Bezug alá „Ich bin bisher kein E-Bike gefahren und besitze auch keines“ vorauszuschicken ist okay, mangelndes Interesse zur Schau zu stellen ist m.M.n. aber kontraproduktiv und erfüllt einfach keine in irgendeiner Form positive Funktion, daher sollte man das einfach weglassen.
Danke für das Feedback. Ich finde, dass bei einem Podcast-Format durchaus auch persönliche Eindrücke ok sind. Und dass man nicht so tun sollte, als wenn man sich gleichermaßen für alles begeistert, über das gesprochen wird. Geht mir in meinem Job als schreibende Journalistin ja auch so, dass ich erstmal nicht alle Themen auch privat total spannend finde, über die ich berichte. Deshalb versuchen wir bei Kennzeichen E, uns diese Expertise dann von Co-Hosts oder Experten zu holen. Und natürlich versuche ich mir bei der Vorbereitung auch selbst Wissen anzueignen, auch wenn ich aus eigener Erfahrung über Fahrräder weniger berichten kann als über Elektroautos.
Ich bin ja eine derjenigen, die die Förderung gestellt haben, dass auch andere Formen der E-Mobilität außer Auto, Auto, Auto vorkommen.
Von daher also als erst mal Danke dafür, dass das E-Bike endlich mal vorkam.
Ich verstehe nun auch, warum bisher so wenig über E-Bikes zu hören war. Wenn @Christina_Kunkel offen sagt: „Ich habe kein Rad, fahre kein Rad, Räder interessieren mich nicht“, wissen wir alle, woran wir sind. Da kam jetzt bei mir der Eindruck: „Wir haben das Thema E-Bike abgehakt, jetzt können wir uns wieder dem Wichtigen widmen.“
Inhaltlich finde ich den Beitrag eher flach.
Meine Kritikpunkte:
- Wie die Verkaufsstatistik zeigt, sind etwas mehr als die Hälfte aller verkauften Räder E-Bikes. Deswegen kann die Redaktion davon ausgehen, dass das Grundwissen wesentlich höher ist und auch die Ressentiments geringer sind als bei PKWs und LKWs. Deswegen denke ich, dass man da nicht mehr beim Urschleim anfangen müsste. Insofern fand ich einen großen Teil einfach überflüssig.
- Bei der Ökobilanz sollte man nicht nur die reine CO2-Bilanz pro km sehen. Wichtig wären meiner Meinung nach auch sekundäre Effekte: Räder haben einen wesentlich geringen Flächenverbrauch. Dies gilt sowohl für den fließenden als auch für den ruhenden Verkehr. Frei werdende Flächen (Parkplätze, Straßen) können entsiegelt werden, das ist wichtig, um Städte klimaresilient zu machen.
- Ein Großteil des Mikroplastiks beruht auf Abrieb von Autoreifen. Da die Autos tendenziell immer größer werden, werden auch die Reifen immer breiter => mehr Abrieb.
Mir fehlt bislang ein weiterer Blick. Der Podcast erweckt mit den bisherigen Folgen den Eindruck: Hauptsache, wir ersetzen alle Autos durch E-Autos, dann ist alles gut.
Hier Anregungen für kommende Sendungen.
- Finanzielle Entlastung der Kommunen. Die Kommunen sind finanziell klamm, da ist es wichtig zu wissen, dass Straßen wesentlich teurer im Unterhalt sind als Radwege (Winterdienst, Verschleiß). Ein Grund für Kopenhagen, so stark auf Radverkehr zu setzen waren in erster Linie fiskalische Gründe.
- Eine gute Radweginfrastruktur ist auch gut z.B. für Menschen, die z.B. auf elektrische Rollstühle etc. angewiesen sind. So wird Mobilität ein Stück weit barrierefreier. Außerdem ist es eine kostengünstige Alternative zum Auto.
- Ein detaillierter Erfahrungsbericht aus Paris.
- Urlaub mit Rad: z.B. in welchen BL kann man im Regionalverkehr Räder kostenlos mitnehmen? Ein Erfahrungsbericht des neuen ICE-L wäre interessant. Der soll barrierefrei sein und mehr Radplätze bieten. Aber wie hängt man ein E-Bike ein? Ist das wirklich nutzbar, v.a. wenn man auch Gepäck hat?
- Interview mit einer Person von der Bahn, wie eine Verknüpfung von Rad- und Bahnverkehr aussehen kann. Wichtig: Ausstattung von Radparkhäusern an Bahnhöfen für Pendler, Ausstattung mit Rampen und Aufzügen.
- Vergleich unterschiedlicher Lastenräder. Lastenräder sind mMn unverzichtbar, wenn es darum geht PKW zu ersetzen - v.a. Zweitwagen. Long John vs. Longtail vs. Formen mit drei Rädern. Unterthema: Lastenräder im gewerblichen Einsatz, v.a. im Nahbereich (Schornsteinfeger, Paketdienste und Lieferverkehr, Handwerker, Pflegedienste …).
- Radverkehr im ländlichen Raum. Gerade dort sind E-Bikes eigentlich praktisch, weil auch Pendeln von 10-15 km gut möglich ist, ohne verschwitzt bei der Arbeit anzukommen. Oft fehlen aber an Landstraßen die Radwege, wodurch das Radfahren unsicher ist.
- tbc
Als Interviewpartnerin könnte ich mir da sehr gut Katja Diehl vorstellen.
Abgesehen von der E-Bike-Thematik fehlt mir auch der Bereich Nutzverkehr. Wie sieht das Ausbau an Ladeinfrastruktur für LKW aus? Wie ist da mittlerweile die Reichweite? Kosten bei der Anschaffung im Vergleich zum Diesel-LKW. Elektrifizierung landwirtschaftlicher Fahrzeuge. Dort scheint mir besonders die Kombi mit PV sehr gut gegeben.
Elektrifizierung im ÖPNV. Natürlich Linienbusse, aber auch Batteriezüge. Denn es gibt etliche Strecken, die z.B. wegen Tunneln nicht mit Oberleitungen versehen werden können. Sind dort Triebwagen mit Batterien am Markt? Gibt es das schon in Deutschland? Erfahrungen anderer Länder?
Momentan kucke ich mir immer die Inhaltsliste an, geht es wieder nur ums Auto (v.a. Testberichte von Modellen), skippe ich die Folge. Das über China fand ich wiederum interessant, da grundsätzlich.
Hallo Elly,
danke für das ausführliche Feedback und die Themenvorschläge. Bei den E-Bikes ist es wie bei den E-Autos: Es gibt Menschen, die sich schon sehr gut auskennen und die sich deshalb mehr Details und Tiefe wünschen. Und es gibt auch viele, für die das Thema komplett neu ist und die sich überfordert fühlen, wenn man direkt zu viel Vorwissen voraussetzt. Grundsätzlich ist die Anschaffung eines Autos natürlich finanziell deutlich größer als eines Fahrrades, weshalb da das Informationsbedürfnis nochmal höher ist und der Umstieg von Verbrenner auf Elektro mitsamt der ganzen Umstellungen von Tanken auf Laden auch für viele nochmal herausfordernder ist. Deshalb wird der Podcast auch in überwiegend mit dieser Form der E-Mobilität beschäftigen. Was natürlich auch Busse, Lkws, Bahnen etc einbezieht, genauso wie elektrische Zweiräder.
Bei Ihren Themenvorschlägen geht es sehr stark um Radverkehr und Infrastruktur, nicht in erster Linie um elektrische Mobilität, für die Kennzeichen E aber eigentlich gedacht ist. Deshalb will ich nur nicht allzu große Erwartungen wecken, dass das der stärkere Fokus des Podcasts werden wird. Wir freuen uns natürlich, wenn Sie trotzdem weiter reinhören - und es ist ja auch voll ok, nur dann zuzuhören, wenn einen die Themen ansprechen!
Viele Grüße
Christina
Damit habe ich Ihre Einstellung gut gefasst, wie Sie selbst eben geschrieben haben. Ich glaube, damit muss ich einfach anerkennen, dass Ihre Auffassung von Mobilitätswende eine andere ist, als die, die ich mir vorstelle.
Nur mit einem Switch Verbrenner => E-Motor wird es keine zukunftsfähige Mobilität geben.
Das ist zum einen aus klimapolitischer Sicht ein Trugschluss, aber auch aus demographischer. Denn unsere Gesellschaft wird immer älter, damit gibt es auch immer mehr Menschen, die wegen der Einschränkungen, die mit dem Alter oft einhergehen, nicht mehr sicher Auto fahren können - und das unabhängig vom Antrieb.
Mobilitätswende und Infrastruktur lassen sich nicht voneinander trennen. Auch für E-Autos braucht man ja Infrastruktur zum Laden und bei den Stromnetzen. Und diese Ladeinfrastruktur geht dann auch manchmal zu Lasten des emissionsfreien Fußverkehrs, wenn Ladesäulen im öffentlichen Raum noch auf dem Gehweg installiert werden. Da sieht man wieder den Vorrang, den die Politik der Auto-Mobilität einräumt.
Wenn man E-Bikes fördern will, kommt man schon aus Gründen der Verkehrssicherheit nicht um eine Veränderung der Infrastruktur vorbei.
Weitere Themenvorschläge bzgl. E-Bikes:
- Alltagsradverkehr in Mittelgebirgsregionen, wo bis lang Radfahren nur als Hobby Mountainbiking eine Rolle spielte. Da ist das E-Bike ein Gamechanger.
- E-Trikes als Möglichkeit für Ältere oder Personen mit Einschränkungen (z.B. Balance) sicher am Verkehr teilzunehmen.
Vielen Dank, dass Sie zur Einleitung so ehrlich waren!
Ich empfinde das aber ehrlich gesagt als schockierend: Wenn man selbst nie Fahrrad fährt, färbt das die eigene Perspektive schon extrem in eine Richtung, auch gerade wenn man selbst am Steuer sitzt.
Bei einem Podcast über Mobilität (auch wenn Sie damit hauptsächlich Autos meinen) erwarte ich, dass man zu den verschiedenen Verkehrsmitteln (denn als Autofahrer trifft man im Straßenverkehr auch auf fast alle anderen Verkehrsmittel) zumindest einen Bezug hat und ein Minimum an Interesse mitbringt.
Daher ist zu befürchten, was hier schon beschrieben wurde: Die anderen Verkehrsmittel werden nur Alibi mäßig behandelt, um sich offener zu geben als man ist.
Deshalb gibt es ingesamt ja mehrere Hosts der Sendung plus Gäste, die sich jeweils auch für unterschiedliche Themen interessieren.