Ich bin Geschäftsreisender, bin viel zu sehr über die Nordhälfte Deutschlands verstreuten Zielen, oft „auf dem Land“, und ich kann dieser Aussage trotzdem nicht zustimmen.
Auch wenn viel der Kritik, die hier über die Bahn und die Politik ergossen wird, ihre Berechtigung hat: Für mich ist auf den meisten Strecken, die Bahn die bessere Alternative.
Hinweis zur Fairness: Ich fahre gern Auto, aber ungern länger als 2 ½ Stunden.
Meine Vorgehensweise seit Mitte 2020: Ich fahre grundsätzlich von von ICE-Bahnhof zu ICE-Bahnhof (habe das Privileg, in einer Großstadt zu wohnen) und den Rest mit Flinkster (Car-Sharing Anbieter der Bahn - bietet zwar keine „geschäftsmännischen“ Autos, aber für die letzten 30-45 Minuten geht das schon und ist echt günstig). Damit bin ich nicht auf das Umsteigen in Regionalzüge angewiesen.
Das klapp im Großen und Ganzen so gut, dass ich die Alternative Auto nur in Ausnahmefällen Erwägung ziehe (wenn z.B. die Anreise vom ICE-Bahnhof zum Mandanten länger als 1 Stunde dauert). Ja, es gibt Verspätungen, die von der Bahn gegebenen Begründungen sind oft lachhaft unglaubwürdig oder unverständlich. Und es gibt auch schon mal Zugausfälle. Aber wenn ich vergleiche, wie oft man im Stau steht, sind solche Pannen eigentlich gut zu tragen. Und: Im Zug kann ich arbeiten (reserviere mir immer einen Platz am Tisch)!
Und ich muss sagen: Die Bahn wird immer besser. Die ICEs sind komfortabel, auch in der 2. Klasse. Die App DB Navigator hat sich zu einem wirklich hilfreichen Tool entwickelt, das elektronische Ticketing ist gut, das Personal meist professionell und nett, der Speisewagen und das Bistro ganz in Ordnung.
Das ist vermutlich für Pendler oder eine Normalverdienerfamilie keine passende Lösung. Aber für Geschäftsleute schon. Und dafür will ich hier Werbung machen.
Ich nehme immer das Sparticket (damit ich es mit überschaubaren Kosten noch stornieren kann). Bis Ende letzten Jahres habe in der 2. Klasse die Kontrolleure die Zugbindung schlicht ignoriert, so dass man auch mal einen Zug früher oder später nehmen konnte. Leider seit diesem Jahr nicht mehr.
Die Flexpreis-Tarife sind meist deutlich teurer als allein mit dem Auto zu fahren.