Ich stimme Ulf und Philipp überhaupt nicht in der Aussage zu, dass 99 % der Grünen Habeck für einen besseren Kandidaten gehalten hätte und finde die Aussage derart vage und unbelegt, dass es wirklich Schade ist, dies in einem meiner Lieblingspodcast mit gewissen journalistischen Anspruch zu hören.
ALB war die einzige Frau im Rennen und die einzige von der ich am ehesten erwarten konnte Themen, die mir wichtig sind zu repräsentieren (Neben Klima Reproduktive Rechte, Gender Pay/Data/Care Gap etc.)
Insgesamt wurde dies ganz gut im Podcast „Was jetzt“ zusammengefasst, dass es (Achtung ich zitiere frei:) „schon typisch ist, dass die Frau bei einem immer noch sehr guten Wahlergebnis die persönliche Kritik zugeschoben wurde und sie jetzt durch Habeck abgelöst werden soll, wohingegen Armin Laschet als Mann weiterhin einen Regierungsauftrag zu finden glaubt“
Selbstverständlich hätte Habeck ebenfalls eine persönliche Kampagne gegen sich gehabt, aber ob er wirklich stärker gewesen wäre, lässt sich nun mal nicht sagen. (um den Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt in der Wahlnacht zu zitieren:) „In einer Demokratie gibt es nun mal keine Testgruppe“
Selbstverständlich hätte sich Habeck im Sommerinterview nicht anhören müssen, wie er es seinen Kindern erklären soll, dass er nicht Kanzler wird. Aber wohl eher nicht wegen seiner Leistungen, sondern weil männliche Kanzlerkandidaten nicht auf ihre Elternrolle reduziert werden im politischen Wahlkampf. Auch hätten Habecks Söhne wohl eher keine Vergewaltigungsandrohungen erhalten für das Engagements seines Vaters. Über alles andere lässt sich aber nur philosophieren.
Dafür hätte er aber für junge Erstwählerinnen wie mich eben auch nicht die Themen vertreten können, auf die ich (und zumindest mein weibliches soziales Umfeld) bei meiner/unserer Wahl wert lege(n).
Die Aussage mit 99 % der Grünen ist daher falsch, nicht belegbar und enttäuschend.
Und an der Stelle find ich es ebenfalls schade, dass der andere Thread über den Unconcious Bias geschlossen wurde. Ich schließe mich an der Stelle @maren_b an, dass auch ich beim Hören der LdN das Gefühl habe, dass mit weiblichen Interview-Partnerinnen anders umgegangen wird, als mit männlichen. Auch ein gutes Beispiel ist an der Stelle das Interview in der Sommerpause mit der Dame, die bei der Weltbank gearbeitet hat, hier unter anderem auch die Auswahl der Interview-Fragen. Dies zeigt auch der Vergleich zu dem Umgang mit Herrn Lauterbach. Daneben durchaus auch das Baerbock Interview, wo Baerbock bis ins Detail erläutern sollte, wie sie sich Umsetzungen vorstellte, wobei sie die Frage zumindest einmal bereits beantwortet hatte und ein anderes Mal zurecht darauf verwies, dass die Länder für die Umsetzung von Bundesgesetzen zuständig sind.