Ja, deswegen mein Hinweis auf eine modernisierte Form, in der man sich das Einkommen auch aufteilen kann (50:50, 75:25, wie auch immer). Dem steht neben der Einkommenshöhe auch die bestehende Rollenerwartung entgegen, dass sich der (gesellschaftliche) Stellenwert eines Menschen an der Erwerbstätigkeit misst, die Berufstätigkeit also nicht nur ökonomisch sondern auch sozial erstrebenswert bzw. sogar nahezu obligatorisch ist.
Dann hatte ich dich falsch verstanden
So passt es für mich. Ich sehe die Arbeit als Ausgleich neben dem Haushalt. Das tut einem selbst auch gut mal „erwachsene“ Gespräche zu führen ![]()
Natürlich ist das nicht gewollt. Zu den einkommensreichsten 10% gehört man in Deutschland bereits mit nicht einmal 3600 netto als Single - in den meisten westdeutschen Großstädten (oder gar südlichen) Großstädten ist mit einem solchen Einkommen nicht einmal mehr ohne weiteres Wohneigentum drin. „Einkommensreich“ ist man damit jedenfalls nur in irgendwelchen Statistiken.
Der „Spitzensteuersatz“ ab 58,5k beginnt auch ab einem zu niedrigem Bruttoeinkommen, da 58,5k längst kein Spitzenverdienst mehr ist. Darüber sind sich - soweit ich weiß - auch beinnahe alle Parteien einig.
Stimmt, aber aktuell versorgen wir alle die in Rente sind, nicht nur die, die nicht mehr arbeiten können.
Kurzer Hi weis zu der aktuellen Folge, in einem Satz heißt es …ob Menschen 1100€ Rente oder 5000€ erhalten… nach aktueller Berechnung kann man in der gesetzlichen Rente wenn man 45 Jahre in Höhe der BBG eingezahlt hat, maximal 3141,82€ Rente bekommen.
Grüße
Mal so weit in die Zukunft ins Unreine gedacht:
Wir diskutieren grad über eine zahlenmässig starke Generation, die schrittweise in Rente geht und von einer zahlenmässig schwächeren Generation per Rentenumlage finanziert werden muss.
Letztere muss daher auch in einem marktwirtschaftlichen System arbeiten, in dem weniger Fachkräfte weiterhin ständiges Wachstum erwirtschaften müssen. Die Babyboomer in Rente nehmen verstärkt je nach Finanzkraft die Rolle der Konsumenten ein, um dieses Wirtschaftswachstum durch inländische Nachfrage zu sichern.
Nun gehen wir gemäss normaler Lebenserwartung davon aus, das diese Konsumenten in den nächsten 30 Jahren stetig abnehmen.
Und nicht durch nachfolgende Generationen kompensiert werden können.
Lässt sich dann das Wirtschaftswachstum weiter steigern bei sinkenden Abnehmern? Geht es dann nur über Export? Oder ist verstärkte Automatisierung die Lösung?
Ist dann mit mehr Erwerbslosen zu rechnen, für deren Rente es dann noch bescheidener aussieht?
Mal als Gedankenspiel…
Es wäre schön, wenn sich möglichst viele ältere Menschen, die das geistig und körperlich noch mitmachen können, der Care-Arbeit zuwenden. Unsere KITA sucht z. B. schon lange Menschen, die mal für ein paar Stunden vorbei kommen können, um Bücher vorzulesen und hie and und da den Angestellten zur Hand zu gehen. Da ist die Arbeitskräftemangel auch schon angekommen.
Könnte es nicht auch Anreize geben, freiwillig später in Rente zu gehen? Für Menschen, die gesund sind und Spaß haben, weiterzumachen.
Altersteilzeit finde ich persönlich auch genial.
Rentenalter bei guter Gesundheit hoch, aber insgesamt flexiblere Modelle.
Gibt es doch seit kurzem: der Hinzuverdienst ist unbegrenzt.
Zusatz: Ja, natürlich ist das scheiße, wenn man sich auf ein Rentnerdarsein mit 2500 Euro Rente und 900 Euro Mieteinkünften eingestellt hat. Wenn sich aber darstellt, dass die andere Seite dieser Medaille ist, dass heute Kinder eine 5x so hohe Gefahr haben in Armut zu leben, als Rentner und junge Familien im Schnitt über 30% ihres Einkommens für Miete ausgeben, dann muss man so deutlich feststellen: Für die Realisierung dieses Rentnerdarseinsplans wird es gesamtgesellschaftlich nicht reichen. Ganz abgesehen davon, dass -es wurde schon angesprochen- die weitere Erwerbsbeteiligung von Älteren nicht nur für die Gesellschaft, sondern auch für diese selbst absolut wünschenswert ist.
Unbelassen von diesen Ausführungen bleibt natürlich die generelle Feststellung, dass wir uns das alles leisten könnten, wenn es uns nicht lieber wäre, dass die Reichen immer reicher werden. Die 100 Mrd Zuzahlungen an die Rentenkassen, wären ja easy mit 25% effektiver Erbschaftssteuer zu kriegen. Und dafür würde es reichen nur die höchsten 20% aller Erbschaften mit 40% zu besteuern.
Ich habe den Thread und die erwartbar große Aufregung unter sich angesprochenen fühlenden Boomern mit großem Interesse verfolgt. Und vermisse bei Anerkennung von im einzelnen, persönlichen Leben, abweichenden Schicksalen schon ein Bisschen den Willen, sich mit der statistischen Realität zu befassen.
Es wurde hervorgehoben wie schwierig es war, so viele zu sein. Arbeitslosigkeit, Konkurrenz, etc.
Die Realität gibt das (auch wenn es wie gesagt im Einzelnen natürlich zutreffen kann) nicht wieder. Die Generation der jetzt 50-65-jährigen ist die, mit den im Schnitt längsten Betriebszugehörigkeiten. Weniger als 3 Jobwechsel sind der Standard gewesen, die lebenslange Betriebszugehörigkeit nicht ungewöhnlich.
Die harte Konkurrenz aufgrund der schieren Masse mag man so empfunden haben, in der Realität der Jüngeren stellt es sich gegenteilig da: Die Älteren in den Unternehmen haben Privilegien von Betriebsrenten, über faktische Unkündbarkeit, bis hin zu schlicht viel besserer Bezahlung, weil -und jeder dürfte das schon mal gehört haben- die ja noch alte Verträge haben. Und dieses Phänomen setzt sich analog bei Mietverträgen fort. Während aktuell die mediale Sphäre kollektiv seit einem Jahr durchdreht, weil Inflation, sind die Kosten für Neuvermietung in den letzten 10 Jahren in jedem Jahr mit mehr als 10% gestiegen. Hat aber niemanden interessiert, weil es in der Hauptsache junge Leute betraf.
Diese generationale Schieflage zeigt sich im Ergebnis in den Vermögen durch die Generationen. Während die Boomer nicht nur die reichste Generation aller Zeiten sind, sind sie auch einigermaßen gleichmäßig reich geworden. Um zu den Top10% der 55-59-jährigen zu gehören, braucht man in D 625.4000 Euro. Bei den unter 30-jährigen reichen 71.300 Euro. Die Ungleichheit innerhalb der jeweilgen Generation zeigt sich dabei wie folgt: Um in der jüngsten Gruppe zu den Top10 zu gehören, muss ein Haushalt das 14-fache des Medianvermögens der Altersgruppe haben. Bei den 55-59-jährigen, reicht das Fünffache. Diese Zahlen stammen aus dem Buch „Die Altenrepublik“ von Stefan Schulz. Dass Marc Zuckerberg in Amerika allein für 2% der Vermögens aller Millenials steht, sei nur als lustiges Partywissen gedroppt. Ebenso wie die Tatsache, dass Vermieter im Schnitt 56 Jahre alt sind.
Was damit im Bezug auf die Rente gesagt werden soll und meiner Meinung nach muss: Es ist alles andere als Vermessen vor dem Hintergrund der Schieflage und der Belastung der jüngeren Generation durch 1. niedrigere Einkommen, 2. höhere Steuern, 3. viel zu hohe Mieten, die vor allem Älteren zu Gute kommen und 4. den kommenden Belastungen durch die Transformation im Rahmen der Klimakrise, einen größere Eigenbeteiligung der Boomer zu verlangen. Natürlich vor allem der reicheren Boomer, aber deren gibt es eben sehr viele.
Gut, dass du das ansprichst.
Die Abgaben für die Rentenversicherung betragen 19,6%. Tendenz steigend.
Kranken- und Pflegeversicherung können in einer alternden Gesellschaft auch unmöglich ihre jetzigen Beiträge halten.
Daran zeigt sich eigentlich auch dem letzten, dass wir die Abgaben so nicht weiterlaufen lassen können. Zumal sie überdurchschnittlich Geringverdiener betreffen.
Altuelles zum thema Miete:
Die Situation der jüngeren Generation hast du sehr schön und anschaulich geschildert. Gerade auch den Zusammenhang im Bereich der Miete, wo die wohnungssuchenden (vor allem Jüngere, die sich ein Leben aufbauen, oder dem Job hinterherzugehen müssen) den überwiegend älteren Wohnraumanbieter zum Teil unverschämt hohe Mieten zahlen. Das kommt auf die Rente drauf.
Die Antwort auf dieses Problem sollte dennoch in einer Regulation der Mieten oder Sozialer Wohnungsbau sein.
Die Betrachtung der Top10 ist anschaulich, wobei es interessanter wäre, wieviel Prozent (Boomer bis Jüngere) ein gewisses Einkommen x haben, dass man als „das sollte jeder Verdienen“ ansetzt. Die Aussage wäre die gleiche, wobei nicht im Kopf hängen bleibt: Boomer verdienen 600 000Euro plus. (Das hast du auch nicht gesagt, aber das Langzeitgedächtnis wird zwei Infos verknüpfen: Boomer & 600000Euro).
Egal, die Forderung muss doch lauten jünger sollten ein Einkommen von x Euro haben! Also ein Appell an die Arbeitgeberseite & Politik.
Auch das Problem der Privilegien älterer Verträge ist absolut richtig!
Die Forderung müsste hier lauten, bessere Arbeitsbedingungen. Also wieder ein Appell an Arbeitgeber & Politik.
Das müssen doch die Ziele sein und nicht Boomer in die Rolle des Sündenbocks für die Probleme zu bringen, die du so treffend beschrieben hast.
Irgendwo sollte es eine Benchmark geben, wo man auf der einen Seite eine Angleichung nach oben hat und auf der anderen Seite ein entsprechende Absenkung durch regulatorische Prinzipien.
In jedem Fall danke für die Perspektive der Jüngeren.
Anekdotische Evidenz: Meine Mutter (JG 1964) ist seit dem sie 16 ist im gleichen Krankenhaus als Krankenschwester. Sie hatte sich schon öfter nach anderen Jobs umgeguckt, aber würde überall wesentlich schlechter verdienen. Sie hat sogar eine Klausel im Vertrag, wo der Arbeitgeber bei längerer Krankheit trotzdem noch die Hälfte des Gehalts zahlt. So war es dann, dass sie 50% Krankengeld von der KK und 50% Gehalt vom AG bekommen hatte, als sie einmal lange ausfiel.
Das mag es auch heute vielleicht noch geben, aber ich kenne niemanden in meiner Generation, der solche Klauseln im Vertrag hätte.
Mist, ich wollte mich selbst zitieren und habe dabei meinen Beitrag von gestern versehentlich gelöscht. Ist eben nicht so einfach mit diesem Internet für uns Ältere. ![]()
Ich möchte klarstellen, dass ich als Boomer, Jg. 63, die Beschreibung meiner Alterskohorte in der LdN für grundsätzlich zutreffend halte.
Mich würde konkret interessieren, wie das Rentensystem aus Sicht Jüngerer insbesondere für uns Boomer ausgestaltet sein sollte.
Also ich möchte hier mal anmerken, dass das in Rente gehen der Babyboomer eine Riesenchance für die Jüngeren ist: Arbeitgeber haben schon heute massive Probleme Stellen zu besetzen und ich kann wirklich nicht erkennen, dass ein Mangel an wirklich richtig gut bezahlten Jobs besteht. Man muss natürlich mobil und ggf. willens sein sich fortzubilden bzw. auch mal ein Risiko einzugehen.
Jede Generation hat ihre Herausforderungen und ich kann mit dieser permanenten Schwarzmalerei bzw. dem Gejammer nicht anschließen. Und wenn die Finanzierung der Renten tatsächlich zum groben Problem für die Jüngeren wird, gehen sie ins Ausland und Deutschland wird gezwungen sein sein System umzustellen. Der Markt wird das regeln und wer wenn nicht die Jüngeren sind so flexibel um davon zu profitieren!
Hier würde mich interessieren, was ihr genau meint. Also: wer hat geforscht und was hat er / sie herausgefunden? Dazu habe ich ehrlich gesagt weder im Podcast, noch in euren shownotes, noch im verlinkten Interview mit Frau Schnitzer entsprechende Quellen gefunden. Dabei wären Publikationen zu diesem Thema ja tatsächlich mal interessant.
Ich kann nicht für alle Industrien sprechen - da fehlen mir die Erfahrungswerte. Deutschland ist - im Hinblick auf die chemische Industrie - mehr als schwierig. Genehmigungsverfahren dauern zwischen 7 und 18 Monaten https://www.chemanager-online.com/news/vci-plaediert-fuer-schnellere-planungs-und-genehmigungsprozesseund vor allem bei Greenfield-Anlagen sind die Anforderungen enorm. Unmittelbaren Vergleich habe ich zu den USA (hier habe ich 4 Jahre gearbeitet), Genehmigungen sind ausgesprochen unkompliziert (vor allem in den Südstaaten).In der Schweiz (hierhin habe ich nach der letzten BTW gewechselt) sind die formalen Anforderungen zwar auch hoch - aber die Behörden sind deutlich industriefreundlicher eingestellt, als deutsche Genehmigungsbehörden.
Im unmittelbaren europäischen ist das für unsere heimische Industrie ein Nachteil. Gegenüber dem aussereuropäischen Wettbewerb (USA aber auch China und zunehmend Indien) kommt zu den aufwendigen und langen Genehmigungsverfahren auch noch der Kostenfaktor. Hohe (und ständig steigende) Lohnkosten kann man vielleicht noch durch Effizienz und Qualität kompensieren (wird aber auch zunehmend schwieriger), die aktuellen hohen Energiekosten machen für es für die energieintensive Chemieindustrie nahezu unmöglich, die Profitabilität zu halten. Manche Produkte sind schlichtweg nicht mehr profitabel. Und die Konsequenz?
Firmen verlagern Anlagen jetzt weg aus Deutschland - entgegen der Zielsetzung nach der Pandemie. Oder sie investieren statt in Deutschland im aussereuropäischen Ausland.
Rosige Aussichten für den Wirtschaftsstandort Deutschland.
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/basf-stellenabbau-chemieindustrie-investitionen-101.html
https://www.process.vogel.de/evonik-startet-bau-einer-anlage-fuer-speziallipide-in-den-usa-a-7757ec539e55b3a8a3631d35d53dc439/
Ich möchte hier in möglichst unemotionaler Weise darauf hinweisen, dass ein Problem unbezahlbarer Renten sich duch die Aktienrente nicht löst. Der Wohlstand muss dann noch immer von den Jüngeren und Zahlenmäßig unterlegenen erarbeitet werden.
Investiert der Schwedenform in Immobilien, wer zahlt denn dann diese hohen Mieten? Dieselben Leute, denen wir gerade keinen Reallohnzuwachs gönnen (was die Beiträge steigen ließe btw.)
Das Problem lößt sich nur wenn die Finanzierung aus der eigenen Generation gestämmt wird. ZB mittels einer Vermögensabgabe oder Erbschaftssteuer.