E-Autos können nicht nur helfen, Abgase zu vermeiden, sondern auch Lärm. Das kann insbesondere Menschen, die in verkehrsreichen Gegenden leben, langfristig bedeutend entlasten, ihre Gesundheit verbessern und ihre Lebenserwartung steigern. Für einen Teil der Kundschaft scheinen die Geräusche, die ihre Autos beim Fahren erzeugen, allerdings emotional bedeutsam zu sein. Daher dringt die Autobranche darauf, E-Autos die Abgabe künstlichen Lärms zu gestatten. Bisher war das nur insoweit vorgesehen, als es der Verkehrssicherheit dient. (Quelle)
Mich wundert, warum die offensichtliche Lösung nicht Teil der Debatte zu sein scheint: Nach außen geben E-Autos nur die für die Verkehrssicherheit erforderlichen Geräusche ab. Nach innen können Fahrende auf Wunsch eine zusätzliche Geräuschkulisse zuschalten. Neben dem Fahrspaß kann das auch als akustische Rückmeldung zum eigenen Fahrverhalten sinnvoll sein. Dann wäre nur noch zu klären, was mit dieser Geräuschkulisse geschieht, wenn die Fenster geöffnet werden. Aber ich bin sicher, da gibt es eine moderate Lösung, die für Insassen wie Außenstehende gleichermaßen verträglich ist.
Ich hoffe sehr, dass hier nicht die Chance vertan wird, neben Abgasen auch Lärm zu reduzieren. Es wäre aus meiner Sicht kaum zu erklären, warum Menschen gesundheitliche Einschränkungen hinnehmen müssen, um anderen Menschen vermeidbares Lärmen in der Öffentlichkeit zu ermöglichen.
Interessant. Mir war nur bekannt, dass E-Autos Lärm erzeugen sollen, wenn die Geschwindigkeit von 50 km/h. Der Silence Killer Effekt soll damit vermieden werden.
Ich weiß nicht was daraus geworden ist, weil ich es nicht weiter nach verfolgt habe.
ABER:
„Reifenlautstärke steigt mit der Geschwindigkeit, da das Abrollgeräusch (Luftverdrängung) ab ca. 35 km/h das Motorengeräusch übertönt und sich die Lautstärke logarithmisch erhöht: Ein Unterschied von 3 dB(A) wird als Halbierung/Verdopplung der Lautstärke empfunden; breitere Reifen sind oft lauter,“
Darum spielt die Reifenlautstärke eine viel größere Rolle, als zusätzliche Geräusche, wenn es um Lärmschutz geht.
Angenommen die Physik von Reifengeräuschen ist zwischen E-Auto und Verbrenner gleich, wovon man ausgehen kann, dann würde sich die Geräuschbelastung also nur bei geringen Geschwindigkeiten unterscheiden.
Ich lebe in einer Tempo 30 Zone mit einigen E-Autos und da muss ich tatsächlich zugeben, schon öfters von sich anschleichenden E-Autos überrascht worden zu sein. Ich hätte daher nichts gegen etwas mehr Fahrgeräusch, aber das mag subjektiv sein. Hier kommen auch max. 100 Autos am Tag vorbei. Die Belastung ist daher eh gering.
Ich fahre einen e-Golf und habe das Problem aus der anderen Perspektive des Fahrers erfahren. Tatsächlich ist der Tongenerator IMO zu leise, aber insbesondere scheint er an die Geschwindigkeit gekoppelt zu sein. Wenn ich also von Schritttempo beschleunige, hört man fast nichts.
Es wäre meiner Meinung nach notwendig, die Lautstärke dem Gefahrenpotenzial anzupassen, also: der aktuellen bzw. vom Fahrer angeforderten Beschleunigung. Denn wenn ich mich langsam nähere müsste ich schnell fahren, damit ich gehört werde - was die Gefahr eher erhöht. Und Hupen finde ich keine Option.
Meist schleiche ich also langsam vorbei, aber selbst dann erschreckt man Fußgänger. Auch wenn man nur mit 10 km/h vorbeirollt.
Ich bin da ganz bei dir. Aus Gründen der Genauigkeit würde ich allerdings nicht sagen, dass die künstliche Lautstärke mit der Beschleunigung korreliert werden sollte, sondern mit der Geschwindigkeit. Denn bei konstanter Fahrt ist die Beschleunigung immer 0 m/s^2, egal ob du mit 10 km/h oder 100 km/h unterwegs bist. Für die Lautstärke und Wahrnehmbarkeit eines Fahrzeugs durch einen Passanten macht es aber einen erheblichen Unterschied, ob ein Fahrzeug langsam dahinrollt oder mit hoher Geschwindigkeit über die Straße fährt.
Wenn man also ein künstliches Sounddesign mit Sicherheitsaspekt entwickeln möchte, dann muss die künstliche Lautstärke bei niedrigen Geschwindigkeiten hoch sein. Bei hohen Geschwindigkeiten kann sie dagegen deaktiviert werden, denn da reichen die Rollgeräusche aus, wie schon erwähnt.
Das Problem daran ist: Diese künstlich hohe Lautstärke, steht im direkten Gegensatz zum Ziel des Threaderstellers Städte leiser zu machen.
Ich glaube, es vermischen sich gerade zwei Fragen:
Welche Geräusche sollen E-Autos abgeben, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten?
Sollen E-Autos darüber hinaus Lärm abgeben dürfen, um den Fahrspaß der Fahrenden zu steigern?
Dass E-Autos aus Sicherheitsgründen Geräusche abgeben müssen, ist unstrittig. Wie diese Geräusche aussehen sollten, um ihren Zweck zu erfüllen, ist vielleicht zu diskutieren. Mir geht es vor allem um die zweite Frage. Sie ist auch Gegenstand des Artikels, auf den ich verwiesen habe. Ein Gesichtspunkt ist auch, dass Autointeressierte möglicherweise weniger Interesse am Kauf eines E-Autos haben könnten, wenn es nicht so klingt, wie sie es sich wünschen.
Du hast natürlich vollkommen recht. Im Artikel geht es primär um die Absurdität von extern erzeugtem Fahrlärm für die Mitfahrenden. Das ist natürlich eigentlich Quatsch. Ich kenne allerdings leider tatsächlich Leute, die den Ton eines röhrenden Motors zu schätzen wissen und kann mir daher vorstellen, dass die Lobby da tatsächlich einen Punkt haben kann.
Von daher wäre doch vielleicht eine Option
künstliche Motorengeräusche erst ab 70 km/h und
ab einer definierten Beschleunigung
70 km/h oder schneller kann man normalerweise ohnehin nicht in der Stadt fahren (Ausnahmen ausgenommen). Außerdem haben wir schon konstatiert, dass bei diesen Geschwindigkeiten ohnehin Rollgeräusche überwiegen (normale Fahrweise vorausgesetzt), Motorengeräusche also nur geringfügig(er) nerven.
Die im Artikel vorgeschlagene Schalterlösung erscheint mir zu einfach zu umgehen. Es gibt angeblich auch genug Leute, die die Start-Stop Automatik beim Verbrenner, die ähnlich geregelt ist, bei Fahrtantritt kategorisch abschalten.
Dein Vorschlag mit den Motorengeräuschen nur im Innenraum finde ich auch gut, fürchte aber dass sich echte Autonarren verarscht fühlen werden und das ganz sicher nicht als adäquaten Ersatz empfinden werden. Echte Poser wollen nicht nur wissen, dass sie ein geiles Auto haben. Sie wollen auch dass jeder andere es merken kann.
Bis Tempo 20 muss ein Elektroauto ab Erstzulassung 07/2021 Warngeräusche machen.
Ansonsten konnte ich über den Artikel nur den Kopf schütteln.
Habe mir mit 15 auch einen Getto-Blaster aufs Fahrrad geschnallt und die Siedlung beschallt. Aber da war ich halt 15.
Immer wieder schockiert, wie kindisch sich erwachsene Menschen benehmen können.
Gab die Werbung von LBS, als ein Schauspieler den anderen mit einem Nissan 350Z nach Hause fuhr, jede Kurve sportlich nehmend.
„Das Leben ist ein Spiel“, „Du musst auch mal was riskieren.“
Danach betraten sie das Haus des Zweiten, die Familie wartete, modern eingerichtet, Stille. Slogan: entdecke den Spießer in Dir.
Dachte mir damals schon, dass die LBS von der deutschen Zielgruppe eine völlig falsche Vorstellung haben. Jeder würde den Roadster dem Eigenheim vorziehen, Hauptsache er röhrt richtig.
Es lohnt selten in emotional aufgeladenen Themen mit Logik zu argumentieren. Das weißt du doch @Margarete. Deswegen sind leider Diskussionen über Böllerverbot oder Tempolimits von vornherein zum Scheitern verurteilt.
Ich finde das auch schade, aber ich fürchte es ist das nötige politische Kapital nicht wert.
Ich hoffe da eher auf stete Nadelstiche durch kontinuierliche Gängelung bis unvernünftiges Verhalten abgewöhnt wurde und als uncool gilt.
Nun, aber wenn es um Sorgen ums Klima oder den Wunsch nach Mobilität für alle (nicht nur für Autofahrer) geht, scheint das immer zu viel verlangt. Wenn es um so einen Schwachsinn geht, haben plötzlich alle Verständnis…?
Es ist immer leichter den Status Quo fortzusetzen als Wandel zu initiieren.
Mehr Platz für Radfahrer oder Fußgänger kostet den Autofahrern Platz. Und da viele Radfahrer und Fußgänger auch Autofahrer sind oder es mal werden wollen oder zumindest den Status Quo gewohnt sind und sich damit arrangiert haben, ist es eben schwerer kritische Bewegungen zu initiieren.
Beispiel Tempolimit: Die Mehrzahl ist zwar dafür, aber sich nicht einig ab welcher Geschwindigkeit. Und mehr noch, sie sind zwar dafür, aber es ist auf ihrer Prioliste irgendwo unter am Wochenende Fenster putzen und knapp über den Kleiderschrank ausmisten.
Status Quo sind Gesetze, die unnötigen Lärm verbieten. Autos der gehobenen Preisklasse haben von Sounddesignern abgestimmte Boxen, man kann innerhalb des Autos also alles machen, damit sich der Fahrer wie im Verbrenner fühlt, sogar Schaltwippen und simuliertes Zwischengas bieten erste Hersteller an, inkl. Drehzahlmesser im Display.
Dass zu viel Krach guter Nachbarschaft schadet, hat auch Lamborghini erkannt und bietet jetzt einen Nachbarschaftsmodus in seinen Autos. Der macht alle Klappen zu und reduziert den Lärm auf das Notwendigste.
Ich fahre gerne täglich mein Elektroauto aber auch genauso gerne am Wochenende hin und wieder ein altes und lautes Verbrennerauto.
Klar, zum Fußgängerschutz macht ein Warnsignal bei einem E-Auto absolut Sinn! Bin mir nicht sicher, innen höre ich das bei meinem gar nichts. Das E-Auto meiner Frau ist da auffälliger. Es gibt da wohl eine Spanne von 56-75db.
Man könnte auch darüber diskutieren, dass man innen ein generiertes Verbrennergeräusch oder irgendein anderes haben möchte, welches die Geschwindigkeit und Beschleunigung darstellt.
Der Sinn erschließt sich mir allerdings überhaupt nicht, ich mag das geräuscharme Fahren lieber. Geschmacksache.
Aber dass man da auch noch die Umwelt mit beschallen muss, ist völliger Unsinn.
Wofür soll das gut sein? Obwohl, für die Eisdiele, …
Ein treffliches Thema zum streiten. Wenig Substanz. Der tatsächliche Impact auf das reale Leben ist, sagen wir mal, überschaubar. Ich hoffe nicht, dass ich morgen an mein Fahrrad ein Lautsprecher ranbasteln muss, weil , wer auch immer, dass für richtig und unstrittig hält. Ich frage mich kurz, welches Problem soll hier gelöst werden und schaue dann wieder auf mein Fahrrad. Hmm.
Mir fehlt das Verständnis, dass BEV über das AVAS hinaus Geräusche nach außen abgeben dürfen. Ich fahre einen BMW i4, bei dem man innen ein Fahrgeräusch (nennt sich Iconic Sounds und ist sogar von Hans Zimmer komponiert) zuschalten kann. Wer meint das zu brauchen, bitte.
Aber wozu soll ich meine Umwelt mit so einem Quatsch belasten? Gibt es wirklich Personen, die glauben, dass dann Menschen an der Straße stehen bleiben und denken „Wow, ist der Cool! Was für ein toller Krach?“.
Das Problem mit dem heranschleichenden BEV ist mir auch bekannt, nimmt aber in letzter Zeit seit Zunahme der BEV im Straßenverkehr stetig ab, zumindest aus meiner Erfahrung.
Auf Parkplätzen waren es Menschen bisher gewohnt, durch das Motorengeräusch vor einem herannahenden Fahrzeug gewarnt zu werden. Aber auch ein leises BEV kann man hören, die meisten verbinden mit dem Geräusch nur kein herannahendes Fahrzeug. Und das ändert sich mittlerweile aus meiner Erfahrung.
Gerade in 30er-Zonen und beim Anfahren senken BEV die Geräuschemmissionen erheblich. E-Autos und Tempo 30 senken den Lärm.
Der Artikel, auf den ich verwiesen habe, sieht das anders:
Verkehrslärm ist nach der Luftverschmutzung die zweitgrößte Umweltgefahr in Europa. Laut der Europäischen Umweltagentur (EEA) sind über 110 Millionen Menschen regelmäßig gesundheitsgefährdenden Pegeln ausgesetzt. Dauerhafte Belastung erhöht nachweislich das Risiko für Bluthochdruck, Herzinfarkte und Schlaganfälle.
Sprich: Verkehrslärm verkürzt die Lebenserwartung. Ich finde das keine Kleinigkeit. Nach meiner Auffassung ist Lärmverringerung ebenso wichtig wie die Verringerung der Luftverschmutzung.