Auswirkungen des aktuellen AfD-Eklats

Lieber Philip, lieber Ulf. Mich würde brennend interessieren, wie ihr den Einfluss der aktuellen furchtbaren Erkenntnisse rund um die AfD (also konkret: das Einschleusen von MdB bedrängenden Gästen sowie die vermehrt auftauchenden Strafen wegen falscher Spenden-Verbuchung) auf die Meinung der Wählerschaft habt.

Genau würde mich interessieren, ob irgendwie absehbar ist, dass Wähler der AfD durch eben solche Erkenntnisse von einer wiederholten Wahl absehen würden bzw. zumindest Distanz zu diesen Menschen gewinnen. Vor allem vor dem Hintergrund, dass ich „den“ AfD-Wähler als Gruppe nicht wirklich ausmachen kann, hatte ich zuvor immer den Eindruck, dass negative Berichterstattung über diese Partei eher wenig Einfluss auf den zahlenmäßigen Erfolg hatte, wenn nicht sogar nach dem Motto verfahren wurde „besser irgendeine (negative), als keine Berichterstattung“.

Schon einmal vielen Dank für etwaige Ergänzungen und Meinungen dazu und einen guten Start ins Wochenende!

Liebe Lage und Jeberleh,
ich finde sogar, dass diese Art der Berichterstattung dazu beiträgt, dass sich die AfD-Wählerschaft noch stärker mit ihrer Partei solidarisiert. Denn der Fall wird ohne weitere Recherche von den Medien und auch der Lage so dargestellt, als habe die AfD bewusst und gezielt Störer eingeladen, damit sie Abgeordnete belästigen. Und man nimmt das Ganze als willkommenen Anlass für Ausschlussforderungen.
Tatsächlich ist es aber genauso gut möglich, dass hier unbedacht Leuten Zutritt gewährt wurde, die dann die Gelegenheit nutzten, ihre Vorstellungen von Politiker-Befragung umzusetzen. Das ist schlimm und zeigt, welche Anhänger die AfD hat und wie unprofessionell sie mit solchen Einladungen umgeht. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass dieser Eklat im Sinne der Partei ist und von ihr bewusst so geplant war. Was sollten sie dadurch gewinnen?
Die AfD Anhängern werden durch diese Art der Darstellung darin bestärkt, dass die Medien und die etablierte Politik nur den Plan verfolgen, die Partei loszuwerden. Das halte ich für gefährlich. So sehr man das Verhalten der Anhänger kritisieren muss, sollte man erst recherchieren, welche Verfehlungen die Partei sich zuschulden kommen lassen hat (z.B. Verletzung von Ausichts- oder Prüfpflichten), bevor man ihr einen perfiden Plan unterstellt.

Klassische Täter-Opfer-Umkehr … fanatisierte AfD-Wähler_innen glauben eh was sie wollen, da sind die Fakten letztlich irrelevant.

4 Like

Ja, und genauso ist es doch auch. Oder wozu sollten die sonst ausgerechnet an diesem Tag eingeladen worden sein? Und wenn es sich um einfache „Besucher“ handelte, wo waren dann die Abgeordneten, die sich von denen besuchen lassen wollten? „Oh, hoppla, wo sind denn meine Besucher plötzlich hin? Naja, egal, wahrscheinlich nach Hause gegangen.“ Das glaubt denen doch kein Mensch.

Das einzige, was evtl. nicht so eingeplant war, war dass die dann aus dem Off noch irgendwelche niveaulosen Beleidigungen in den Stream quatschen, und das war dann evtl. das, weswegen zumindest einigen in der AfD-Fraktion das dann vielleicht doch irgendwie zu weit ging. Das hinterher als „hartnäckigen Journalismus“ zu verkaufen hätte denen so niemand mehr abgenommen. Sofern das mit der „Entschuldigung“ in der Aktuellen Stunde nicht einfach nur die übliche AfD-Masche mit Provokation und anschließendem Zurückrudern war.

Und die AfD-Wähler finden das natürlich total super. Die sollten aber nicht der Maßstab sein.