Naja, also behandelt wird der Fall ja durchaus - und ich habe auch kaum Artikel gesehen, die nicht zumindest kritische Untertöne gegenüber dem Verfahren (und dem Ansinnen der USA generell) haben.
Strittig ist nur, wie präsent diese Berichterstattung sein sollte. Letztlich ist es halt ein Thema zwischen Großbritannien, Schweden, Australien und den USA, Deutschland ist nur peripher dadurch betroffen, dass wir natürlich auch die Wikileaks-Dokumente publiziert haben und dadurch viele kritische Handlungen der USA in Deutschland aufgedeckt wurden.
Daher ist es doch eine Frage der Relevanzeinstufungen seitens der Medien, ob sie die Sache ins maximale Rampenlicht stellen oder nur einen kleinen Artikel darüber bringen. Und da wird man nie allen Lesern der Zeitungen gerecht werden.
Daneben sind natürlich ökonomische Faktoren auch relevant. Würde eine breite Berichterstattung über Assange zu höheren Absätzen und Klicks führen, gäbe es wohl auch mehr Berichterstattung. Leider muss man allerdings konstatieren, dass das Thema Assange außerhalb bestimmter Aktivisten-Kreise häufig auf wenig Interesse trifft. Doof gesagt: der typische Bild-Zeitungs-Leser kann mit dem Thema kaum erreicht werden.
Also natürlich können wir uns beklagen, dass ein Thema, welches wir - aus guten Gründen - für sehr, sehr wichtig erachten, aus unserer Sicht zu wenig Beachtung findet. Aber wir haben auch nicht das Monopol darauf gepachtet, die Relevanzkriterien aller Zeitungen zu definieren.
Mich erinnert das an die gescheiterte „Invasion“ Venezuelas durch US-Söldner 2020, nachdem das Pentagon ein Kopfgeld auf die Festnahme Maduros ausgesetzt hatte. Das ist ein ähnlich krasser Verstoß gegen tragende rechtliche Grundsätze - und hier wurde für mein Empfinden viel zu wenig darüber berichtet, die Aktion hatte deswegen auch international gar keine Konsequenzen für die USA und ihr Söldnerwesen.
Manche Dinge, die wir für wichtig halten, gehen leider im Nachrichtendschungel weitestgehend unter, weil u.U. die großen Medien nicht unsere Relevanzeinschätzungen teilen.