Arbeitspflicht jetzt auch für Deutsche

Zwangsarbeit schafft kein gutes Gefühl.

Außerdem unterstellst du, dass Bürgergeldempfänger nicht schon jetzt häufig ehrenamtlich irgendwo im Rahmen ihrer Möglichkeiten mithelfen. Ich weiß es z.B. von der Tafel.

Dass die Kommunen kein Geld haben, ist auch kein Argument. Kein Geld > Zwangsarbeit. Nö.

Außerdem brauchen sie wahrscheinlich sogar Leute, die die Arbeitenden begleiten (beaufsichtigen??? Die Gesellschaft scheint ihnen ja Null zu trauen.) Das kostet auch Geld.

Wenn jemand wirklich arbeitsfähig ist, dann gebt ihm richtige Arbeit. So, dass er davon leben kann. In allen anderen Fällen braucht es Kinderbetreuung, Weiterbildung, Sozialarbeiter oder was auch immer. Aber sicher keine Zwangsarbeit.

Scheint nicht so allgemein zu stimmen. Am anderen Ende der Skala sind viele, die der Gemeinschaft fast nichts gönnen und sich auch gut dabei fühlen, da ihre Vorfahren das Geld ja ehrlich am Fiskus vorbei verdient haben und sich darum in guter Familientradition sehen, staatliche Infrastruktur und kostenlose gesellschaftliche Angebote zu nutzen, aber nichts zurückzugeben.

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Ich finde, eine Stadt kann und sollte so etwas anbieten. Aber was passiert, wenn diejenigen, für die die Maßnahme gedacht ist, dieses Angebot gar nicht annehmen wollen?

Hinzu kommt: Eine feste Anstellung kann Lebenssituationen auch verfestigen. Eine arbeitsmarktpolitische Maßnahme während der Arbeitslosigkeit setzt den Fokus darauf, dass Menschen sich weiterentwickeln und aus dieser Situation herauskommen sollen. Eine feste Stelle hingegen bindet und verlangt deutlich mehr Eigeninitiative, um sich davon wieder zu lösen, selbst wenn sie schlecht ist.

Außerdem frage ich mich, wie viel von einer solchen Maßnahme am Ende tatsächlich im Portemonnaie der Betroffenen ankommt. Sie sollen sich parallel um reguläre Arbeit bemühen und können daher kaum Vollzeit arbeiten. Mit 20 Stunden Teilzeit zum Mindestlohn bleiben sie weiterhin im Bürgergeldbezug, die Kommune müsste aufstocken, und ein Teil des Lohns würde sicher angerechnet. Das finanzielle Plus dürfte also eher gering ausfallen.

Das neue Framing, weg von „Zwangsarbeit“ hin zu „teilweiser Selbstständigkeit“, mag sympathischer wirken. Wenn es für die Einzelnen aber faktisch auf dasselbe hinausläuft, ist die ganze Aufregung vermutlich nicht gerechtfertigt.

Ich bin einfach gegen Zwangsarbeit.
Ansonsten bevorzuge ich Unterstützung statt Drangsalierung. Weiterbildung etc.

Ich denke das kommt auf die Position an. Der Milliardär wird vermutlich auf die 100.000 € Steuern im Jahr schauen, die er zahlt und sagen, dass er damit absolut überdurchschnittlich für die Gemeinschaft leistet. Und dann schaut er auch noch auf die 3-4 Vereine, denen er regelmäßig öffentlichkeitswirksam 20.000 € spendet und fühlt sich vermutlich ganz toll.

Der Fehler ist, einen universellen Maßstab in menschlichen Einstellungen zu vermuten. Je nach Position kann das stark variieren…

Puh, die supertollen Milliardäre wieder. Sind das die neuen Gutmenschen…
Sie haben ihr Geld durch Infrastruktur und Leistungen der Gesamtgesellschaft verdient.
Teilweise durch Ausbeutung, teilweise durch Profit aus dem Dritten Reich. Manche mit Subventionen, Markteingriffe des Staates. Manche sicherlich auch durch eigene Leistung und jede Menge Glück.
Ja, sie spenden gern. Tut ihnen ja nicht weh. Am liebsten an Parteien oder die familieneigene vermögensschützende Stiftung.
Auch Überreiche haben ihren fairen Anteil zu bezahlen, tun es aber nicht aufgrund von Kriminalität (Steuerhinterziehung, Cum Ex…), Steuerminimierungsmodellen mithilfe von Steuerberatern/Family-Offices und viel zu geringer Besteuerung (bezahlen weniger als der Durchschnittsdeutsche). Anschließend spielen sie dann die großen Gönner.

Wer nicht selbst Multimillionär ist, sollte sich nicht so dermaßen verar… lassen.

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Doof gefragt: wenn alle Pflegekräfte kollektiv ihre Jobs auf 30 h reduzieren bricht hier alles zusammen. Dürfte man in diesem Fall Menschen zur Pflege verpflichten, damit Alte und Kranke nicht leiden?

Und darf man aus dieser Denke heraus junge Menschen zum Gesellschaftsdienst bzw. Bundeswehr verpflichten? Oder was ist mit Kriegsdienst?

Wer Teil einer Gesellschaft ist, hat Pflichten. Ebenso wie die Gesellschaft die Pflicht hat, Hilfsbedürftige zu unterstützen haben wir Bürger auch die Pflicht uns durch Arbeitskraft in die Gesellschaft einzubringen. Es ist mir ganz klar lieber wenn wir das ohne Zwang schaffen. Aber notfalls muss man Pflichten vielleicht auch durchsetzen?!

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Damit bestätigst du meine Aussage. Es fühlt sich für diese Menschen gut an, nichts für die Gesellschaft zu tun. Steuern zahlen fühlt sich mit Sicherheit nicht für sie gut an.
Ansonsten gilt, was du oben für fest Angestellte schreibst, auch für 1€-Jobber: die Anstellung führt zu einer Verfestigung der Situation, die Bezahlung, von der nichts bleibt, führt zu Frustration.

50% wird üblicherweise angerechnet, davon dürfen vorher Werbungskosten abgezogen werden. Vor allem ist der Job dann SV-pflichtig, das heißt, es fließt Geld in die Rente, wovon er womöglich später profitiert. Hält der Bürgergeldempfänger zwei Jahre durch, hat er sogar Anrecht auf ALG1 erworben.

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Sehe ich auch so. Her mit der vernünftigen, progressiven Erbschaftssteuer (ohne Vermögensbedarfsprüfung) und mit der Wiedereinsetzung der Vermögenssteuer.

Wie wäre es mal, nicht immer auf den Schwächsten der Gesellschaft herumzutrampeln?
Ist einfacher, als gegen die Mächtigen zu reden, nehme ich an.

Ich bin dafür, Privatiers oder die neuen Meritokraten Müll sammeln zu lassen. Für die Gemeinschaft. Schafft ein gutes Gefühl.

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Ich dachte wir hätten uns geeinigt auf Polemik zu verzichten?

Mir geht es nicht darum Milliardäre in Schutz zu nehmen. Das solltest du eigentlich wissen. Mir geht es darum darauf aufmerksam zu machen, dass es keine universelle Betrachtungsweise gibt.

Ich stelle Polemik gegen Polemik. Ganz einfach.
Wer gegen schwache, vulnerable Menschen polemisiert, der darf sich auch die Antwort gefallen lassen.

Es ist Zwangsarbeit. Da gibt es nichts schön zu reden.
Übrigens auch in Gefängnissen, wo kein Mindestlohn gezahlt wird.

Und wenn wir schon dabei sind: Auch in Behindertenwerkstätten sollte Mindestlohn gezahlt werden.

Einfach verkehrte Welt.

Du wirst mir sicher sagen können an welcher Stelle ich gegen schwache, vulnerable Menschen polemisiert habe. Ich bin gerade etwas ratlos.

Edit: Für Mitleser hier einmal die Definition von Polemik nach dem Duden.

scharfer, oft persönlicher Angriff ohne sachliche Argumente [im Rahmen einer Auseinandersetzung] im Bereich der Literatur, Kunst, Religion, Philosophie, Politik o. Ä.

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Ich persönlich empfand Betrag 27 als sehr polemisch.

Ganz allgemein die öffentliche Polemik gegen Bürgergeldempfänger und Geflüchtete.
„Man hat auch Pflichten“ erinnert mich daran.
Denn diese Aussage impliziert, dass diese Menschen keine Pflichten übernehmen. Was kontrafaktisch ist, wenn man bedenkt, dass ein großer Teil Alleinerziehende und Menschen, deren Gehalt nicht reicht, sind.

Ich bin dafür, den Satz den Menschen am „oberen“ Rand der Gesellschaft zuzurufen und die Armen, die sowieso genug Probleme haben, nicht noch zu beschämen.

Um vielleicht wieder auf eine ganz nüchterne Ebene zu kommen, dröseln wir das mal auf:

Es gibt Menschen, die aus verschiedenen Gründen keiner Erwerbstätigkeit nachgehen (können), daher ihren Lebensunterhalt nicht eigenständig bestreiten können, und darum Sozialleistungen beziehen, wie Bürgergeld.

Soweit einverstanden, denke ich.

Darunter Menschen, die gesundheitlich so eingeschränkt sind, das sie nicht bzw. nicht in ausreichendem Maß arbeiten können.
Ein Teil davon bezieht möglicherweise eine Rente. Da wird erstmal, sofern sich gesundheitlich nichts ändert, wenig zu diskutieren sein.
Ein anderer Teil bezieht Bürgergeld, hier liegen offenbar keine rentenbegründenden Diagnosen oder Ansprüche vor.

Ansatz: eindeutige medizinische Diagnostik einleiten und danach Status (erwerbsfähig/nicht erwerbsfähig) festlegen?

Eine weitere Gruppe bezieht Sozialleistungen aufgrund fehlender Qualifikation.

Ansatz: gezielt qualifizieren und bei der Integration unterstützen?

Dann gibt es Menschen mit (teils multiplen) Vermittlungshemmnissen. Fehlende Kinderbetreuung, Pflegesituationen, ungeklärte psychische Disposition, soziale Hemmnisse.

Ansatz: professionelle sozialpädagogische und psychologische Begleitung und Unterstützung?

Dann eine Gruppe, die keine Motivation zur Arbeitsaufnahme hat.

Ansatz: sozialpädagogische Unterstützung? Sanktionen? ….

Was vergessen, übersehen oder zu vereinfacht dargestellt?

Meinungen?

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Super zusammen gefasst. Deiner Auflistung würde ich voll zustimmen, auch wenn einige mir anscheinend eine andere Geisteshaltung unterstellen.

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Mein Eindruck ist, dass hier wieder das Pferd von hinten aufgezäumt wird.

Erstmal sollte man akzeptieren, dass die meisten Bürgergeld und Sozialhilfeempfänger entweder durchaus ein substanzielles Einkommen haben (das aber zum Lebensunterhalt aus unterschiedlichen Gründen nicht reicht), oder nur kurzfristig Leistungen beziehen (etwa zwischen zwei Anstellungsverhältnissen). Diesen Menschen sollte man den Bezug von Leistungen so einfach wie möglich machen ohne irgendwelche bürokratischen Diagnoseverfahren zu verlangen und gleichzeitig an den strukturellen Gründen für den Leistungsbezug arbeiten (höherer Mindestlohn, bessere Kinderbetreuung, niedrigere Wohnungskosten, etc.).

Vom Rest ist praktisch niemand freiwillig einkommenslos. Aber die Gründe sind in aller Regel komplex und lassen sich nicht in eine Schublade (Qualifikation vs. Betreuung vs. Gesundheit) stecken. Das jetzige System akzeptiert die Komplexität nicht und sucht die Schuld immer beim Leistungsberechtigten.

Ein Paradigmenwechsel würde den Leistungsberechtigten in den Mittelpunkt stellen und eine kooperative, qualitative Analyse seiner Lebenssituation vornehmen. Entsprechend würde ich mir hier eine enge Zusammenarbeit zwischen Sozialarbeit und Jobcenter wünschen und eine Verschiebung von Personal und Ressourcen weg von der Überprüfungsbürokratie hin zur Unterstützungsstruktur.

Und dann sollte es in Ordnung sein, wenn das Ergebnis der Analyse erstmal ist, dass eine Arbeitsaufnahme nicht der richtige nächste Schritt ist. Ich muss einer alleinerziehenden Mutter von drei Kindern nicht erklären, dass es super wäre, wenn sie sechs Stunden am Tag arbeiten würde. Das würde die vermutlich selbst extrem gerne tun. Aber selbst mit Vollzeit-Kinderbetreuung ist das (Angesichts der vielen Termine und alltäglichen Unwägbarkeiten) nicht zielführend. Der Dame gebe ich lieber die Zeit und das nötige Geld, um ihre Kinder bei Krankheit ordentlich zu pflegen, ihnen gesundes Essen zuzubereiten und ja, sich auch mal einen Vormittag frei zu nehmen, während ausnahmsweise mal alle Kinder in der Kita/Schule sind oder nach der Schule einen Ausflug mit den Kindern zu machen.

Eine entsprechend enge Betreuung würde auch viele Betrugsmöglichkeiten von vornherein ausschließen. Wenn ein Sozialarbeiter hin und wieder mal tatsächlich bei den Klienten vorbei schaut, dann bekommt man auch mit, wenn in der Wohnung niemand mehr lebt oder sich die Lebenssituation deutlich verändert hat.

In ein paar sehr wenigen Fällen werden Menschen zu einer Kooperation nicht Willens oder in der Lage sein. Ein Teil davon ist ein Fall für die psychologische Betreuung. Bei einem anderen Teil kann “Zwang” zum Aufbau einer strukturierten Lebensführung hilfreich sein. Aber eben als Teil eines sozialpädagogischen Gesamtkonzepts und nicht aus einem verletzten Gerechtigkeitsgefühl heraus.

Aus meiner Perspektive einer pflegenden Person heraus kann ich jedenfalls sagen, dass ich erheblich volkswirtschaftlich produktiver wäre, wenn irgendwann mal irgendjemand von staatlicher Seite auf die Idee kommen würde, einfach mal hilfreich zu sein, Angebote zu machen und nach Lösungen zu suchen. Stattdessen kann ich mich schon auf die nächste Schnitzeljagd nach irgendwelchen Berichten und Unterlagen freuen, deren Ergebnis nach viel Aufwand dann doch immer die Genehmigung ist.

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