Seit geraumer Zeit beschäftigt mich und vor allen die Apothekeninhaber die Planungen des BMG zur Apothekenreform. (ApoVWG)
Ziel sollen laut BMG Maßnahmen zur Stärkung des flächendeckenden Netzes von Vor-Ort-Apotheken für die Arzneimittel- und Gesundheitsversorgung der Bevölkerung sein.
Die erste Lesung fand am 27.02.2026 statt, damit ist das parlamentarische Verfahren für die Apothekenreform offiziell eröffnet.
Hier ein Auszug einer Stellungnahme, die in unserem Haus verfasst wurde:
„Durch die in den Entwürfen anvisierten Änderungen wird unvermeidlich der Weg für die Bildung von Kettenapotheken in der Hand von Finanzinvestoren, wie z.B. in den USA, geebnet.“
Neben einigen aus meiner Sicht durchaus positiven Aspekten wie Präventionsaufgaben, erweiterte Impf- sowie Testmöglichkeiten, Weiterentwicklung pharmazeutischer Dienstleistungen sind folgende zu nennen, die in meinen Augen kritisch sind:
i. Wahrnehmung einer Apothekenleitung in Filial- und Zweigapotheken durch zwei Personen → Persönliche Leitung und Haftung nicht möglich → Kettenbildung inkl. Konzernstrukturen in Zukunft wahrscheinlicher
ii. einfachere Gründung von Zweigapotheken → Verdrängunswettbewerb hin zu „Apotheken light“ ohne Labor …–> Zwei-Klassen-Pharmazie sowie Schwächung der Resilienz der Apothekenstruktur
iii. Prüfung von Ausgangstoffen und Anfertigung vom Rezepturen im Filialverbund, Verzicht auf Geräte und wissenschaftliche Hilfsmittel wie Arzneibücher → fördert „Apotheke light und schwächt die Resilienz der Apothekenstruktur“
iv. eine Weiterqualifizierung von pharmazeutisch-technischen Assistentinnen und pharmazeutisch-technischen Assistenten, um Vertretungsbefugnisse der Apothekenleitungen zu erlangen → es handelt sich nicht um einen Approbierten-Mangel, sondern um einen Fachkräftemangel allgemein. PTA als Ausbildungsberuf ist bei weitem nicht geeignet einer pharmazeutisch hochwertigen Apothekenleitung gerecht zu werden. PTA-Reformgesetz (ab 1.01.2023) kaum Auswikungen.
Ich verweise weiterhin auf folgende weitere Stellungsnahmen:
ABDA: Apothekenreform: ABDA veröffentlicht Stellungnahme für Bundesrat | ABDA
KBV; KBV - Apotheken sind keine Arztpraxen – KBV warnt vor massiver Kompetenzausweitung
Presseartikel:
Die Apothekenzahlen deutschlandweit sind im Abwärtstrend, die Zahl der Landapotheken (also in 5km Entfernung keine weitere Apotheke) steigt
vgl. auch die Veröffentlichung zum Thema Landapotheken (durch ehemals LZG.NRW, jetzt LfGA NRW)
Da ich Ihre fassettenreiche Auseinandersetzung mit komplexen Themen schätze und mir durchaus bewusst ist, dass ich mich auch zeitweise in einer Bubble bewege, bin ich auf Ihre Sicht der Dinge gespannt.