Danke für deine Erläuterung.
In diesem Sinne finde ich, dass die Apotheker es nicht schaffen, ihr Anliegen öffentlich deutlich genug zu machen. Das Problem ist, dass der Apothekerstreikt als maßgeblich finanzieller Streik wahrgenommen wird, bei dem die Versorgungsengpässe lediglich als Argument für eine stärkere Finanzierung genutzt werden.
Dazu mal der 10-Punkte-Plan der ABDA, also die offiziellen Forderungen der Apotheker:
Die Punkte 1, 2, 3, 5, 6 und 7 dieses Punkteplans sind finanzielle Forderungen, die zum Teil mit Engpässen begründet werden.
Die Punkte 4, 8, 9 und 10 dieses Punkteplans sind Forderungen nach Bürokratieabbau und mehr Kompetenzen für die Apotheken, die sich indirekt in einer besseren finanziellen Situation der Apotheken niederschlagen werden.
Dieser 10-Punkte-Plan macht den Eindruck, dass es nur um Geld geht (entweder dadurch, dass man mehr Geld bekommt, mehr Leistungen anbieten darf oder Verwaltungs/Bürokratiekosten sparen kann).
Die Engpässe werden in zahlreichen Punkten als Grund für die Forderung genannt, statt direkt die Bundesregierung aufzufordern, alles zu tun, um diese Engpässe zu überwinden (z.B. durch Produktionsverlagerung in die EU, Aufbau von Produktionskapazitäten usw.). Das würde den Rückhalt des Streiks jedoch maßgeblich stärken. Andererseits ist es gut möglich, dass die Forderungen der Apotheker genau so formuliert sind, weil wir in Deutschland leider ein sehr eingeschränktes Streikrecht haben, welches politische Streiks verbietet, sodass die Streikenden quasi gezwungen sind, die finanziellen Aspekte in den Vordergrund zu stellen, weil nur wegen dieser finanziellen Aspekte ein Streik berechtigt ist. Insofern kann es gut sein, dass die Apotheker hier keine Schuld an der schlechten Außendarstellung („Die Apotheker wollen einfach nur mehr Geld, obwohl die schon gut verdienen!“) trifft, das Problem bleibt im Hinblick auf die öffentliche Akzeptanz dennoch diese Außendarstellung.