Die Amadeu Antonio Stiftung schreibt dazu:
Dem kann man natürlich entgegen halten, dass anderen religiösen oder ethnischen Gruppen (z.B. jeder Religion oder den Kurden) auch das Recht, in Sicherheit in einem eigenen Staat leben zu können, regelmäßig abgesprochen wird. Andererseits muss man die Einzigartigkeit der Schoah und jahrhundertelangen Diskriminierung der Juden im Exodus berücksichtigen, die wohl nach herrschender Ansicht ein besonderes Schutzbedürfnis gerade für diese Gruppe konstituiert. Dem würde ich mich tendenziell auch anschließen.
Absolut, ich würde sogar sagen, dass man das stets und ausdauernd kritisieren muss, weil es eben ein massiver Bruch des Völkerrechts ist, der den Nahost-Konflikt immer weiter anheizen wird und Fakten dahingehend schafft, dass eine Zwei-Staaten-Lösung immer weniger denkbar wird, es daher aktiv die Chancen der Palästinenser auf ihren eigenen Staat reduziert. Aber man sollte es eben nicht zum Anlass nehmen, dem Staat Israel das Existenzrecht als Ganzes zu entziehen.
Es ist möglich, Israel zu kritisieren, ohne das Existenzrecht Israels abzuerkennen.
Dabei musst du dir die Frage stellen, was die Konsequenz dieser Position ist.
Ja, du kannst die aktuelle Form des Staates Israel (z.B. die Justizreform, die Siedlungspolitik) und die Art der Gründung (die mit der Vertreibung vieler Palästinenser einher ging) kritisieren, aber wenn du Israel deshalb die Existenzberechtigung absprichst, bedeutet das letztlich, dass du 9 Millionen Menschen, die dort leben (davon 6-7 Millionen Juden) heimatlos machen würdest. Denn dass es für die 6-7 Millionen Juden nicht zumutbar ist, in einem palästinensischen Staat zu leben, liegt auf der Hand. Was also wäre die Konsequenz, wenn Israel kein Existenzrecht hat? Ein zweiter Exodus, eine zweite Verstreuung in die ganze Welt? Ich denke tatsächlich, das sollte man nicht fordern, weshalb ich das Existenzrecht Israel tatsächlich als unabdingbar ansehe und verstehen kann, warum man die Ablehnung dieses Existenzrechts im Hinblick auf die Konsequenzen, die damit verbunden wäre, als antisemitisch betrachtet.