In allen genannten Beispielen gab es keinen „Versuch Russlands Einfluss zu brechen“, bevor Russland nicht bewusst einen Systemkonflikt vom Zaun gebrochen hatte.
Syrien? Keiner hat dort Russlands militärische Präsenz je ernsthaft in Frage gestellt, selbst als Russland beinharte (und vermutlich völkerrechtswidrige) Unterstützung Assads im Bürgerkrieg praktiziert hat. Sicher hätte es den USA nicht leid getan, wenn Assad gestürzt worden wäre und dort ein demokratisches Regime die Verbindungen zu Russland hätte abkühlen lassen. Aber wenn das tatsächlich das strategische Ziel „des Westens“ gewesen wäre, dann hätte es völlig andere Möglichkeiten zur Unterstützung der Opposition gegeben.
Mali? Russland war dort überhaupt nicht präsent und hat sehr aktiv und offensiv die EU (die USA haben da nur eine untergeordnete Rolle gespielt) herausgedrängt.
Iran? Russland ist dort im Nuklearbereich aktiv und das hat niemanden wirklich gestört und keiner hat was dagegen unternommen. Russland war sogar Teil des Nuklearabkommens (Aufbereitung von Brennelementen in Russland für iranische Reaktoren). Eine ernsthafte Kritik der russisch-iranischen Beziehungen gibt es erst, seitdem der Iran den russischen Angriffskrieg in der Ukraine sehr aktiv unterstützt.
Wir haben dort Russland überall de facto das Feld überlassen. Weil sich „der Westen“ im Gegensatz zu Russland schwer(er) damit tut, sich militärisch in die inneren Angelegenheiten unabhängiger Staaten einzumischen (natürlich nicht nur aus Gutherzigkeit, sondern auch aus ganz praktischen Gründen wie den Kosten in Leben und Geld, den solche Abenteuer fordern).
„Der Westen“ unternimmt nur dort (mehr oder weniger) ernsthafte Anstrengungen russischen Einfluss einzudämmen, wo dies in Staaten geschieht, die selbst um Hilfe bei der Abwehr russischer Einflussbemühungen einfordern. Also z.B. die Ukraine. Praktisch überall sonst, z.B. zentralafrikanische Republik, Libyen, Sudan, Venezuela, Kuba, etc. räumt man in den letzten 30 Jahren mehr oder weniger schnell das Feld.
Was sollte das sein? Für China ist Russland ein extrem nützlicher Gegenspieler für die USA, der sie nichts kostet, aber erhebliche Aufmerksamkeit und Ressourcen bindet, die sonst in die Einhegung chinesischer Expansionsgelüste investiert werden würden. Ich glaube nicht, dass der Westen hier irgendein Angebot machen könnte, wenn man nicht bereit wäre Taiwan komplett zu opfern. Und selbst dann wäre unklar, ob man sich auf irgendeine Zusage Chi’s verlassen könnte und wie viel das unterm Strich bringt (militärisch erhält Russland nämlich wenig nennenswerte Unterstützung von China, eher von Nordkorea).