Mike
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Die Schwierigkeit bei Alkohol ist wohl auch das der Staat erstmal kein Interesse daran hat, es komplett zu verbieten. Alkohol hat eine gewisse „betäubende“ Wirkung und somit quasi einen gesellschaftlichen Nutzen.
Zudem verschafft er dem Staat wie Tabak auch relevante Einnahmen.
Gesellschaftlich schädigendes Verhalten wie Alkohol am Steuer (ggf mit „Kollateralschäden“) wird ja schon in gewissem Maße geahndet.
Ob Alkohol dann als mildernder Umstand beim Strafmaß zählt ist wieder ein anderes Thema.
Aber die langfristigen gesellschaftlichen Kosten wie gesundheitliche Folgen und deren Behandlung sowie der „Ausfall als Arbeitskraft“ durch Sucht etc. sind im Grunde mit eingepreist, sozusagen die Nebenkosten der Freiheit.
In Schweden waren diese „Nebenkosten“ besonders in den langen dunklen Jahreszeiten wohl so gravierend, das man sich dort zu einem rigorosen Vorgehen entschlossen hat.
In Deutschland nicht zu erwarten, so das Alkohol wohl vorerst trotz aller negativen Konsequenzen weiter gesellschaftlich anerkanntes Genussmittel bleiben wird.
Das mit den Alternativen ist ein guter Ansatz. Aktuell werden wohl verstärkt nichtalkoholische Alternativen bevorzugt konsumiert, auch Ergebnis eines anderen Gesundheitsbewusstseins unserer Gesellschaft. Da liegt wohl der Hebel.
Das fühle ich mich getriggert. Die Folgekosten des Alkoholkonsums im Gesundheitswesen sind extrem hoch. Das bezahlt ebenfalls die Gemeinschaft.
Ich bin seit langem dafür diese Folgekosten über zusätzliche Abgaben auf Alkohol, rotes Fleisch, Zucker (Fertigwaren, Süßigkeiten), Chips und Tabakwaren einzuführen.
Ich bin jedoch nicht dafür die Krankenversicherungsprämien für Raucher, Übergewichtige etc. zu erhöhen.
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ffiene
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Ja, das liegt aber auch daran, dass diese Länder ihn Winter nur wenige Stunden Sonnenschein haben.
Da wird wohl häufig zum Alkohol gegriffen und das in ungesundem Maße.
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Tris
24
Und wer definiert wofür Folgekosten anfallen? Was ist mit Kletterern? Sportlern an sich? Motorradfahrer? Mountainbiker? Radfahrer ohne Helm? Wo wird die Grenze gezogen was inakzeptabel und was ok ist? Wer soll das entscheiden?
Und zum Thema Alkohol muss man sich sagen, dass dort extrem viele Arbeitsplätze direkt und indirekt dran hängen. Dadurch werden sich extrem viele Steuern gezahlt.
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faust
25
Der Verweis auf „Arbeitsplätze“ ist echt die letzte Ausflucht, wenn man sonst keine Argumente mehr hat. Irgendwann wurde uns allen dieses Paradox eingetrichtert, dass es irgendwie gut wäre, wenn wir alle mehr zu tun haben.
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Ausgerechnet beim Tabakkonsum scheint die Rahmensetzung durch den Staat aber gewirkt zu haben.
Und ich persönlich war extrem froh, nicht mehr passiv rauchen zu müssen 
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Sinnvoll wäre vermutlich eine Kommission aus Medizinern und Vertretern der Krankenkassen.
Rein aus dem Bauchgefühl würde ich sagen, dass Sport die gesundheitlichen Risiken reduziert.
Es geht nicht darum ob ein Verhalten akzeptabel ist, sondern ob es Schäden hervorruft. Und warum sollte schädigendes Verhalten nicht mit den dadurch verursachten Kosten verknüpft werden.
Verursacherprinzip sollte doch weithin akzeptiert sein.
What about…
Im Jahr 2022 entstanden in Deutschland insgesamt 16,59 Milliarden Euro an direkten Kosten durch den missbräuchlichen Konsum von Alkohol.
Alle Sportunfälle, inkl. Schulsport verursachen bundesweit Kosten im
Gesundheitswesen von knapp 1,5 Mrd. Euro jährlich.
Eine Vergleichszahl: die Kosten ernährungsbedingter Krankheiten liegen etwa 30mal höher
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Tris
30
Das ist aber auch kein wirkliches Argument dagegen oder?
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Ich halte ein Alkoholverbot nicht für sinnvoll.
Die Motivation ist doch, dass weniger Alkohol getrunken wird.
Logischer Schluss für mich wäre es die Steuer auf Alkohol zu erhöhen, so dass Getränke mit wenig Alkohol attraktiver werden und vor allem hochprozentiges teuer wird.
Die Mehreinnahmen durch höhere Steuern könnte man z.B. in Bildung stecken.
Welcher Politiker würde sich hinstellen und gegen eine solchen Vorschlag wettern?
Im Vergleich dazu, gegen ein Verbot, fallen mir viele ein.
In Schweden gibt es eine bereite Palette an Biersorten mit verschiedenen Alkoholgehalt.
Von 2,2% bis zu den gängigen > 5%. Für jeden Geschmack und Geldbeutel.
Die Sorten mit 2-3% Alkohol finde ich klasse, aber in Deutschland gibt es keinen Markt dafür.
Ein Verbot wird sich nicht durchsetzen und nur polarisieren, in böse Gutmenschen, die alles verbieten wollten und die anderen.
Gleiches gilt für mich auch für ein Tempolimit (welches ich begrüßen würde).
Statt der Grundsatzdiskussion sollte auf den Autobahnen die Geschwindigkeit homogenisiert werden, also etliche sinnfreie Schilder entfernt werden, die alle hundert Meter ein neues Vmax vorschreiben und der Verkehr sollte möglichst zwischen einer Minimalgeschwindigkeit (z.B. 100 km/h) und Maximalgeschwindigkeit (z.B. 130 km/h) gehalten werden, um emittierende Beschleunigungen zu vermeiden. Der Effekt ist zumindest bei unserem Tank der gleiche.
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faust
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„Wir müssen mehr Leute sterben lassen für die Arbeitsplätze“ ist nichts, was meiner Meinung nach ein Gegenargument verdient…
faust
33
Christian Lindner.
Und vermutlich wäre er nicht allein.
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ffiene
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Ich trinke keinen Alkohol und rauche nicht, also kann es mir egal sein.
Ich könnte leicht sagen: ja, alles verbieten.
Steuerung durch Steuern wäre vielleicht besser.
Sonst kommen noch die Veganer und fordern ein Fleischverbot, Radfahrer und Fußgänger ein Autoverbot und so weiter - oh wait …
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Die CSU z.B. Für die wäre es definitiv politischer Selbstmord.
Nur könnte die nächste Regierung das Geld dann auch in was-weiss-ich stecken. Steuern sind nciht zweckgebunden.
Ich kenne zufällig einige Schweden, und die trinken laut eigenem Bekunden deutlich mehr als ich hier in Köln, wo Kölsch ja Grundnahrungsmittel ist 
Tris
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Mit diesem Argument kann man so ziemlich alles verbieten. Also vor allem mit Blick auf die sinkenden Alkoholmengen finde ich Restriktionen darauf unnötig. Man muss nicht alles verbieten nur weil man es nicht mag. Ich Lehne such Motorräder ab, trotzdem ist ein Verbot nicht realistisch oder sinnvoll.
faust
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Ich habe nie bestritten, dass es sinnvolle Gründe gegen ein Alkoholverbot gibt (ich bin gegen ein Alkoholverbot), sondern lediglich, dass dein Argument dazu gehört.
Das Argument ist, dass die Allgemeinheit sehr hohe Kosten aufwenden muss, um diese Arbeitsplätze zu erhalten. 16,59 Milliarden Euro pro Jahr für rund 32.000 Arbeitsplätze. Das sind rund 500 000€/Jahr pro Arbeitsplatz.
Umsatz der Spirituosen Industrie lag 2022 bei 2,5 Mrd.€, Brauwirtschaft 8,4 Mrd. €, Wein 15,7 Mrd€.
In Summe liegen wir dann bei 26,6 Mrd. Umsatz! Man rechnet allgemein in der Industrie mit 75% Marge. D.h. 25% sind Herstellungskosten knapp 6,65 Mrd€ (Da ist Marketing nicht mit drin).
Bleibt eine Gewinn (man müsste das Marketing noch abziehen) vor Steuern und Abgaben von 20Mrd.€. Rechnen wir nun mit 38% Steuern und Abgaben. Das sind 7,5 Mrd€ Steuern und Abgaben für den Staat. (Da sind die Krankenkassenbeiträge mit drin).
Die Kosten im Gesundheitssystem übersteigen damit die Gesamten Einnahmen aus Steuern und Abgaben mit 200%.
*Die Zahlen sind anhand von Recherche und Vereinfachung zusammengestellt. Es soll die Indikation dargestellt werden.
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pbf85
40
Wobei diese Arbeitsplätze jetzt ja nur die sind, die rein in der Erzeugung der alkoholischen Getränke liegt. In der Logistik und im Verkauf dürfte es deutlich mehr Arbeitsplätze geben die im weitesten Sinne mit dem Konsum alkoholischer Getränke verknüpft sind.
Es muss klar sein, dass diese Arbeitsplätze kein Argument gegen eine Reduzierung von problematischem Alkoholkonsum sein dürfen. Viele dieser Arbeitsplätze könnten sogar durch eine Stärkung von alkoholfreien Alternativen gesichert werden.
Wenn der Gang in die Kneipe um Leute zu treffen fest mit dem Konsum alkoholischer Getränke verbunden ist, dann bedeutet das natürlich, dass alle die das nicht tun tendenziell gar nicht dahin gehen. Wenn aber das Trinken von alkoholfreien Bieren, aber auch einfach Soft-Drinks, hausgemachten Limonaden, Wasser, etc. auch in einem solchen Umfeld normalisiert wird, dann könnte das die Eckkneipe auch in Zeiten rückläufigen Alkoholkonsums überlebensfähig machen.
Die Schweden die ich kenne trinken z.B. alleine in 5 Tagen Messe in Deutschland mehr als ich im ganzen Jahr.
Generell würde mich interessieren wie in den Statistiken Schwedens das was Schweden im Ausland konsumieren und das was sie per Freimenge importieren (wer schonmal Fähre nach Schweden gefahren ist weiß, dass das durchaus genutzt wird) mit eingeht.
Damit will ich nicht in Frage stellen, dass höhere Preise und kontrolliertere Abgabe durchaus eine Wirkung haben können. Nur ob die Wirkung wirklich so stark ist bin ich mir nicht so sicher.
Ich hatte auch mal in einer Reportage gesehen, dass z.B. die Folgen von illegalem Konsum (selbst gebranntes) gestiegen seien. Ob das aber eher Einzelfälle betrifft oder wirklich ein Problem darstellt ging daraus nicht hervor.
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Die Alkohol Sau ist ja nun oft genug durchs Dorf getrieben worden. Wie uns unsere Amerikanischen Freunde in den 30er Jahren ohne Mühen zu scheuen gezeigt haben, ist Prohibition nur gut für das organisierte Verbrechen und natürlich korrupte Politiker/Beamte/…
Ich kann schon verstehen wie da einem Populisten oder auch einfach nur dem Arbeiter von neben an das Messer in der Hose auf geht, wenn man ihm die Mündigkeit abspricht selbst zu entscheiden was und in welchem Maß gut für ihn ist. Besonders wenn es um kanonisierte Rechte geht.
Schon klar dass es im Sinne der Lebenserwartung und der Gesundheit ist, keine Drogen zu nehmen und sich gesund und kalorienreduziert zu ernähren. Allerdings helfen Verbote dabei nicht. Das wird ein Verhaltenspsychologe bestimmt bestätigen.
Ich wäre für eine totale Kontrolle (hinsichtlich Reinheit und Qualität) und vollkommenen Verbotsverzicht. Das würde dann zu einem dramatischen Rückgang von Drogentoten führen. Von mir aus kann man besoffen fahren mit 5 - 10 Jahren Fahrverbot ahnden.
Kurz und gut: Die Frage nach einem Alkoholverbot stellt sich in meinen Augen in einer seriösen Gesellschaft-Debatte einfach nicht. Dazu gibt es ausreichend Erfahrungswerte aus der Geschichte.
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