Akzeptanz der CO2-Bepreisung und Klimadividende

Es verdichten sich in der Sozialwissenschaft Erkenntnisse, dass in der breiten Öffentlichkeit die Wirksamkeit der CO2-Bepreisung nicht wirklich verstanden und daher nicht akzeptiert wird. Das gleiche gilt für die sozial ausgleichende Klimadividende:

Vorherrschende Sichtweise:

  1. Wenn die Einnahmen aus dem CO2-Preis nicht wirksam für Klimaschutz ausgegeben werden, bringt der CO2-Preis nichts.
  2. Wenn ich das, was der Staat über den CO2-Preis abschöpft, einfach wieder zurückbezahlt bekomme, bringt das doch gar nix.

(Solche Argument habe ich auch hier im Forum immer und wieder gelesen).

Dazu kommt die berechtigte Kritik, dass besonders die sozial benachteiligten Teile der Bevölkerung gar nicht die Möglichkeit haben, auf die veränderten relativen Preise so zu reagieren, dass sie den erhöhten Preisen kurzfristig und effektiv ausweichen können. Die haben nämlich nicht die Möglichkeit, den Preiserhöhungen durch Investitionen zu begeben, sondern nur durch Nutzungseinschränkungen.

Und schließlich wird es als sehr ungerecht empfunden, dass „Reiche“ sind über die Veränderungen der relativen Preise einfach „hinwegsetzen“ können, d.h. sich ihr klimaschädliches Verhalten weiterhin leisten können (ob sie das tatsächlich tun, dafür habe ich bislang keinerlei Anhaltspunkte gefunden).

Offenbar versteht man in der breiten Öffentlichkeit das Konzept der Lenkungswirkung von veränderten relativen Preisen nicht! Und die Politik, die Medien, die Wissenschaft scheint das überhaupt nicht zu bemerken und droht, die Wähler komplett abzuhängen.

Es kann doch nicht sein, dass nur weil Wissenschaft, Medien und v.a. Politik es nicht schafft, die Bevölkerung / Wähler mittels effektiver Kommunikation dort abzuholen, wo sie sind, am der Klimaschutz scheitert, weil die Menschen den Rattenfängern mit den „einfachen Lösungen“ hinterherlaufen.

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Wie kommen Sie darauf der Wissenschaft (hier der Ökonomie) Versäumnisse vorzuwerfen? Ist es nicht ausschließlich das Versagen der Medien und der Politiker die wissenschaftlichen Erkenntnisse nicht dem „gemeinen Volk“ vermitteln zu können?
Hier nochmal die Personifizierung für den Kompetenzgradienten zwischen Wissenschaft, Medien und Politik (nicht nur zu Corona sondern den meisten gesellschaftlichen Problemlagen): Virologin Melanie Brinkmann: "Sie als Politiker müssen klar kommunizieren" - ZDFheute

Wie ich darauf komme? Seit wie viel Jahr(zehnt)en forscht und kommuniziert die Ökonomie über die Internalisierung externer Kosten als das Modell für eine marktgerechte Umweltökonomie … und bislang hat sich kaum in der Sozialwissenschaft Gedanken darüber gemacht, wie man das so erklären kann, dass auch Klein Erna und das Milchmädchen das verstehen können? Schon irgendwie arm, oder?

Steht das so da? Ich lese

D.h. es geht um eine gemeinsame Aufgabe aller derer, die an der Veröffentlichung dieser Ideen arbeiten. Und ich finde auch, dass es nicht hilft, jemandem Vorwürfe zu machen, sondern es darum, gehen muss, Argumente zu entwickeln, die von Allen leicht verstanden werden und in kurzen Statements ans Publikum gebracht werden können.

Aufgabe also: Formuliere die Negativaussagen von @TRq in knackige positive Sätze so um, dass sie in einem in den Nachrichten gesendeten Fünf-Sekunden-Ausschnitt sofort einleuchten. Dabei muss es gar nicht mal so sehr um logische Vollständigkeit gehen sondern um Plausibilität und Eingängigkeit.

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Das ist ein extrem hoher Anspruch. Sollte nicht unversucht bleiben, ist aber sehr schwer.

Vielleicht sollten wir zusätzlich uns als Gesellschaft etwas gegen die tldr-Kultur (too long, didm’t read) stemmen und von allen Bürgern - wenigstens Wählern - einfordern, die grundlegenden Dinge zu verstehen:

  1. CO2-Preis dient nicht den Einnahmen des Staates. Er dient dazu, die Preise für klimaschonende Dinge zu senken und für klimaschädliche Dinge zu verteuern.
  2. Gerade weil vor allem die Schwächeren in der Gesellschaft ihre Ausgaben nicht schnell an die veränderten Preise anpassen können, bekommen sie einen Ausgleich für die Mehrausgaben.
  3. Und zwar, in dem die Einnahmen aus dem CO2-Preis monatlich als Pro-Kopf-Pauschale an jeden Bundesbürger ausbezahlt wird. Dadurch bekommen vor allem die Schwächeren mehr, als sie Mehrausgaben für den CO2-Preis haben. Und wegen der veränderten Preise geben sie diese eher für klimaschonendere Dinge aus.
  4. Wir schützen unsere inländischen Arbeitsplätze, in dem für Importe, auf denen kein CO2-Preis lastet, durch einen Klima-Zoll teurer gemacht werden und Exporte durch Erstattung des Klima-Preises auf den Weltmärkten wettbewerbsfähig bleiben.
  5. Staatliche Investitionen in Klimaschutz werden finanziert, in dem die Subventionen auf klimaschädliche Waren und Dienstleistungen abgebaut und in eine klimaschonende Verwendung umgeleitet werden. Dabei werden Infrastruktur und Projekte gefördert und subventioniert, die es v.a. den Schwächeren der Gesellschaft erlaubt, schneller auf ein klimaschonenderes Konsumverhalten zu wechseln.

Wer nicht bereit ist, diese 5 Punkte zu verstehen, … wie sollen wir die denn mitnehmen?

P.S.: Habe ich gerade das Wahlprogramm der Grünen zum Thema Klimaschutz im Wesentlichen zusammengefasst? Ja, zufällig. Und zwar nicht, weil ich für die trommeln will. Sondern weil die einfach das Richtige vor haben!

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Ich stimme zu. Aber vielleicht ist es gar nicht so schwer wie es auf den ersten Blick scheint.

Ja, sollten wir, aber mit den Schultern zucken und diejenigen, die deswegen nicht „das Richtige“ tun (oder wählen), links liegen lassen, dürfen wir auch nicht.

So sehr ich Deinen fünf Punkten auch zustimme, für die Abendnachrichten sind sie trotzdem noch zu lang und kompliziert. Nicht weil ich den Rezipienten nichts zutraue, sondern, weil in den Nachrichten einfach nicht genug Platz ist.

Mir schwebt daher sowas vor wie
Wenn Du Dich klimaschonend verhältst, sparst Du (mit unserem Konzept) Geld. Das, was diejenigen, die sich nicht klimaschonend verhalten, zusätzlich ausgeben, landet letztendlich auf Deinem Konto.

Das ist nicht hundertprozentig präzise, lässt sich aber bei Nachfragen argumentieren. Und es macht zwei positive Statements für den Klimaschutz und das Konto derjenigen, die ihn praktisch unterstützen.

Sicher kann man das noch besser (oder vielleicht ganz anders) formulieren. Ich meine aber, es zeigt, dass das keine unlösbare Aufgabe ist.

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Je länger ich drüber nachdenke, für desto schwieriger halte ich diese zweite Aufgabe. Also natürlich nicht das Einfordern, aber die Umsetzung dieser Forderung. Schließlich müssen da beide Seiten mitmachen, also sowohl die Sender als auch die Empfänger. Und solange die Sender den Eindruck haben, die Empfänger wollen keine zu schwer verdauliche Kost serviert bekommen, werden sie immer kleine leichte Häppchen servieren, und solange es die gibt, werden sich die Empfänger auch in ihrem Konsumverhalten nicht umstellen.

Und wieder: wie kommen Sie darauf, dass die Sozialwissenschaften nicht seit Jahrzehnten daran forschen, wie man wissenschaftliche Erkenntnisse auch Laien übermitteln kann? (Und Bonusfrage: ist das außerhalb einer Technokratie eigentlich wirklich die Aufgabe der Wissenschaftler?)

Könnte das Problem nicht eher darin liegen, dass Medien und Politik leider viel zu oft gerade darauf hinarbeiten, dass die eigentlich einfach zu verstehenden Handlungsempfehlungen der Wissenschaft verwässert werden, damit die „Laien“ auch ja weiterhin eher der virologischen Expertise von Herrn Kubicki als der von Frau Brinkmann glauben?

Man stelle sich mal eine Medienkultur vor, die faktenbasierte Information der Bürger über poltische Profilierung stellt: Talkshows zur besten Sendezeit in denen 4 Wissenschaftler zu einem Thema diskutieren und der weitere 1 Politiker ab und zu die „Sicht der Politik“ einwerfen darf.

Nun, mag sein, dass sie das getan hat - dann aber, ohne die nicht-wissenschafltiche, aber dennoch interessierte Community daran teilhaben zu lassen.

Bonus-Antwort: Wissenschaft sollte den Anspruch haben, nicht im Elfenbeinturm vor sich hin zu forschen, sondern die Ergebnisse auch hinreichend publik zu machen.

Ja, ja und nochmal ja! Natürlich habe Medien und Politiker eine Mitverantwortung dafür, dass die breite Öffentlichkeit die Dinge nicht versteht. Das tldr-Phänomen (tldr: too long, didn’t read) ist ja auch der Tatsache geschuldet, dass Medien und Politik nicht nur schlecht, sondern auch überaus ermüdend kommunizieren und Teile der Medien (z.B. aus dem Hause Springer: Bild, Welt, …) nicht davor scheuen, im Interesse von Auflagen, Klicks und Anzeigenkunden falsche Informationen und Propaganda zu verbreiten.

Ein Traum …

Ja, alle zusammen sind sicherlich „zu starker Tobak“ oder einfach „too much“. Vielleicht sollte man die Message noch weiter unterteilen und dann nach und nach in einer konzertieren Medienkampagne verbreiten:

  1. Der CO2-Preis ist keine Steuer, Abgabe oder sonstwie Einnahme des Staates.
  2. Er dient vielmehr dazu, die Preise für klimaschonende Dinge im Vergleich zum Preis für klimaschädliche Dinge zu senken.
  3. Gerade weil vor allem die Schwächeren in der Gesellschaft ihr Verhalten / ihre Ausgaben nicht flexibel an die veränderten Preise anpassen können, sollten sie einen Ausgleich für ihre Mehrausgaben haben.
  4. Und zwar, in dem die Einnahmen aus dem CO2-Preis als Pro-Kopf-Pauschale an jeden Bundesbürger überwiesen wird. Monatlich. Direkt aufs Konto. Vom Säugling bis zum Rentner.
  5. Dadurch bekommen vor allem die Schwächeren mehr zurück, als sie Mehrausgaben für den CO2-Preis haben.
  6. Und wegen der veränderten Preise geben sie diese Erstattung tendentiell eher für klimaschonendere Dinge aus.
  7. Unsere Arbeitsplätze schützen wir, in dem
    a. für Importe, auf denen kein CO2-Preis lastet, durch einen Klima-Zoll teurer gemacht werden und
    b. Exporte durch Erstattung des auf ihnen ruhenden Klima-Preises auf den Weltmärkten wettbewerbsfähig bleiben.
  8. Staatliche Investitionen in Klimaschutz werden nicht aus dem CO2-Preis finanziert,
  9. sondern, in dem die Subventionen auf klimaschädliche Waren und Dienstleistungen abgebaut und in eine klimaschonende Verwendung umgeleitet werden.
  10. Dabei werden v.a. Infrastruktur und Projekte gefördert, die es v.a. den Schwächeren der Gesellschaft erlaubt, flexibler auf ein klimaschonenderes Konsumverhalten zu wechseln (z.B. ÖPV).

Wichtig scheint mir zu sein, dass Politik, Wissenschaft, Medien die Menschen fordert, sich aus ihrer mentalen Komfort-Zone zu bewegen.

Das wäre mir wieder zu werblich. In dem man direkt an den Geldbeutel der Leute appelliert, gefährdet die Glaubwürdigkeit des richtigen Konzepts.

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Wir scheinen insgesamt ins gleiche Horn zu blasen. Nämlich, dass die hauptverantwortlichen Institutionen für „Volksbildung und -informierung“ viel zu oft mit Ihrem Auftrag versagen. Wir sind uns auch einig, dass dies Aufgabe ein - vielleicht auch die - wesentliche Daseinsberechtigung für Medien („die vierte Gewalt“) und Politik ist.
Wir streiten uns lediglich darüber, ob die Wissenschaft noch mehr politische Verantwortung übernehmen soll/muss. Hier haben wir beide unsere Erfahrungen mit dem Wissenschaftsbetrieb einfließen lassen. Nach 13 Jahren Tätigkeit im Wissenschaftsbetrieb kann ich dabei Ihre Befürchtungen à la Elfenbeinturm nicht nachvollziehen. Daher sah ich mich veranlasst Ihrem Standpunkt eine Antithese entgegen zu stellen (ein Kritikpunkt zu Ihren Gunsten: sozialwissenschaftliche Publikationen sind zu oft hinter einem Paywall - unendliche viele andere „tdlr-ungeeignete“ Quellen wie der IPCC-Report allerdings nicht). Ich schlage vor, dass wir diesen Nebenschauplatz mit „agree to disagree“ ruhen lassen und uns verstärkt mit dem offensichtlichen Versagen der anderen Akteure beschäftigen.

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Interessanter Artikel in der FAZ dazu. Leider fällt der Klima-Zoll - wie so oft in den deutschen Medien - komplett unter den Tisch. Dabei ist ein CO2-Preis ohne Klima-Zoll im Hinblick auf die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen undenkbar.

Hast du ein Beispiel welches deine Aussage untermauert? Selbst bei 50 Euro pro t ist der Effekt nur Peanuts. Und im Moment gibt es eh fette Zusatzrendite, weil deswegen Sie EEG Umlagen gesenkt wurden.

Damit der Klimawandel innerhalb des 1,5-Grad-Budgets begrenzt werden kann, benötigen wir einen CO2-Preis von 180 EUR oder sogar mehr. Für CO2-intensive Branchen wie z.B. Stahl, Beton, etc. ist das alles andere als Peanuts! Ohne Klima-Zoll werden wir das sog. Carbon-Leakage erleben: Diese Industrien werden auswandern und dann von dort das Klima weiter zerstören.

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ich dachte eher an „wieviel genau“, statt an die Aussage…„viel“
Der Verein der deutschen Zementwerke hat dazu Studien anstellen lassen. Findet man im Internet.
Habe mit deren Zahlen mal nachgerechnet. Bei einem CO2-Preis von 200 Euro/t würde der Preis pro t Zement von 77 auf 85 Euro steigen. Wenn man das für Sackware rechnet (angenommen 5 Euro für 25 kg), dann muss der Verbraucher sage und schreibe 20 ct pro Sack drauf legen. Ich zahl die gerne. Und jetzt bitte nix von Arbeitsplätzen erzählen. Die Zementindustrie hat davon 8.000, nicht ein einziges, sondern die Branche. Dann habe ich noch nachgerechnet, dass die Branche gerade etwa 36 Mio Euro aus Steuermittel „geschenkt“ bekommen hat, nämlich durch die Absenkung der EEG. Bei Stahl sind die Zahlen natürlich anders. Aber wenn du siehst, dass der Stahlpreis über wenige Monate um 100 Euro/t oder mehr schwankt, dann relativiert sich auch das.

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Ich kann die Rechnung nicht nachvollziehen, will Dir gern glauben, wundere mich aber, dass bei einer Preiserhöhung von 4% Politik, Medien und Verbände gerade um die Zementindustrie so ein Aufhebens machen. Offenbar sehr wirkungsvolle Lobbyarbeit?

Allerdings sind bei einer Comodity (austauschbare Güter) wie Zement auf dem Weltmarkt auch 4% kein Pappenstiel. Für die Verbraucher mag das ihre Einkaufsentscheidung kaum beeinflussen, aber Importeuere und die zementverarbeitende Industrie wählen dann schon den Lieferant, für den die Verpestung der Atmosphäre keine Kosten erzeugt.

Und Arbeitsplätze sind sehr wohl ein gewichtiges Argument, weil von den Laschets dieser Welt immer wieder gern gebraucht (übrigens: Würdest Du einem Arbeiter in der Zementindustrie ins Gesicht sagen „Ihr seit ja nur 8.000 — kann weg“). Da braucht es Gegenargumente. Und der Klima-Zoll (Genzausgleich, CBAM) wäre das: „Eure Arbeitsplätze sind dank Klimazoll nicht durch den CO2-Ausgleich gefährdet“.

Und Zement ist nicht die einzige Branche, die viel CO2 emittiert. 15,4% des CO2-Ausstoßes in D geht auf Industrie zur Rohstoffherstellung mit viel Prozessenergie zurück: Raffinerien, Eisen, Stahl, Chemie, mineralische Erzeugnisse (darunter Zement).

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Ich stimme dir grundsätzlich zu und wollte das nur relativieren. Vermutlich ist der Klimazoll in der Tat erst mal vernünftig. Auch weil der ggfs. eine Wirkung im Ausland erzeugen könnte, und ein starkes Symbol ist der allemal.

Natürlich ist diese Aussage erstmal falsch. Das 1,5Grad Ziel kann nur gehalten werden, wenn wir weniger CO2 ausstoßen. Der Preis gibt nur eine Richtung vor. Wenn mir die umweltschädlichen Dinge aber am meisten Spaß machen, werden die Menschen einen größeren Anteil vom Lohn hier ausgeben (ein Bsp. kein Kind bekommen und dann trotzdem jedes Jahr in den Urlaub fliegen…gibt hunderte Beispiele, also versteift euch nicht auf dieses).

Ich würde sogar behaupten, dass jedes einzelne Produkt und jede Dienstleistung teurer werden muss, weil irgendwo einfach überall CO2 verbraucht wird.

Leider hinter einer Paywall. Also kann ich nur vermuten, was da steht. Habe folgende Gedankengänge dazu:

  1. Bei einer Einführung von einem CO2 Preis werden Deutsche Produkte deutlich teurer werden.
  2. Auf dem deutschen Markt könnten einheimische Produkte und DL kaum noch mit ausländischen konkurrieren
  3. Klima Zoll sorgt für eine „Gleichberechtigung“ auf dem heimischen Markt.
  4. Ich kann mir nicht vorstellen, dass andere Länder einen ähnlichen Preis einführen

Folge: Deutschland als „Exportweltmeister“ wird auf ausländischen Markt nicht mehr Konkurrenzfähig sein, da die eigenen Preise zu sehr steigen (gilt praktisch für alle Branchen)

Lasst es mich doch bitte wissen, wenn ich hier einen Fehler in meinem Gedankengang habe.

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[quote=„derFragensteller, post:17, topic:8448“]

Natürlich ist diese Aussage erstmal falsch.[/quote]

OK, die Aussage war undifferenziert. Es gibt zahllose Studie über die „richtige“ Höhe des CO2-Preis. Was dabei „richtig“ ist, wird uneinheitlich definiert. Die einem meinen, die „wahren (gesellschaftlichen) Kosten“ der Nutzung der Atmosphäre als CO2-Halde. Andere meinen damit, wie teuer die Emission von CO2 sein muss, damit die damit verbundene Änderungen in Konsum und Investitionen den CO2-Ausstoß so reduzieren, dass wir das Reduktionsziel von Paris doch noch erreichen. Kaum eine dieser Studien (soweit diese wissenschaftlich fundiert sind) kommt auf einen CO2-Preis unter 180 EUR.

Das ist ebenso richtig wie eine Binse. Aber genau das ist ja der Vorteil des CO2-Preises: Er nutzt die Dynamik und Energie des Wettbewerbs (und ist damit sehr schnell sehr wirkmächtig). Gleichzeitig bleibt die Freiheit der Entscheidung bei jedem Einzelnen. Ich sehe aber keinen Grund, warum die makroökonomische Nachfrage nicht weiterhin einen negativen Zusammenhang zwischen Preis und nachgefragter Menge aufweist, d.h. mit spürbar steigendem Preis für CO2-intensive Waren und Dienstleistungen deren Nachfrage zurückgeht. Dass auf mikroökonomischer Ebene Einzelne (eher die wenigen Wohlhabenden) sich entscheiden, trotz steigender Preise weiterhin SUV zu fahren und genauso viele Fernreisen zu machen (nur 2 Beispiele) ändert die makroökonomische Zusammenhänge nicht (auch wenn dies berechtigte Fragen der Verteilungsgerechtigkeit aufwirft).

Ehrlich gesagt: Ich sehe schon ganz pragmatisch keine Alternative zum CO2-Preis (und Streichung von Subventionen für CO-schädliche Verhalten und Investitionen) Wir haben als Gesellschaft die letzten mehr als 30 Jahre die Klimakatastrophe geleugnet und verdrängt. Angesichts des sehr schnell auslaufenden CO2-Budgets haben wir gar keine Zeit mehr, ein smartes System von Ver- und Geboten zu etablieren und durchzusetzen. Vor- und Gebote können immer nur eine Ergänzung sein zur klimafreundlichen Kanalisierung von Wettbewerb mittels CO2-Preis (früher oder später über gehandelte Emissionszertifikate), Klima-Dividende und Klima-Zoll.

Es geht darum, dass die Menschen den CO-Preis schon nicht verstehen, noch weniger die Klima-Dividende. Und der Klima-Zoll wird schon gar nicht erwähnt. Also im Wesentlichen das, was ich im Eingangsbeitrag gesagt hatte.

Nein, denn die Einnahmen für den Klima-Zoll werden verwendet, um deutschen Exporteuren den CO-2-Preis zu erstatten, wenn sie in Länder ohne CO2-Preis exportieren.

Lassen wir mal die energieintensiven Branchen außen vor. In der Metallindustrie beträgt der Energiekostenanteil etwa 2% vom Umsatz. Der CO2 Faktor von Strom lag 2019 in D bei 400 g pro kWh. Für 1t CO2 kann man also 2,5 MWh verbrauchen. Bei einem CO2 Preis von 180€ verteuert sich die MWh also um 72€. Die Stompreise in der Industrie liegen zwischen 15 und 19 ct pro kWh und steigen damit auf 22 bis 26 ct.
Immerhin ein Anstieg von 37%. Der Stromkosten Anteil steigt damit von 2 auf 2,8%. Oder die Produkte müssen jetzt 0,8% teurer verkauft werden. Das werden wir alle verkraften. Einmalige Lohnsteigerungen liegen oft bei 2 bis 3%, bezogen auf einen Lohnkostenanteil von ca 30%; d.h. Eine einmalige Tarifrunde hat einen größeren Einfluss auf die Kosten als der CO2 Preis im Endausbau. Sagt mir bitte Bescheid wo ich mich verrechnet habe.

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