Aktuelle Situation in Rojava!

Kobane wurde am 26.01.2015 offiziell befreit. Und jetzt, 11 Jahre später wird die Stadt erneut von islamistischen Kräften umzingelt, von der syrischen Armee und türkischen Milizen. Seit über einer Woche ist die Lage in Nord-Ost-Syrien mehr als bedrohlich. Jeden Tag gehen in vielen deutschen und europäische Städten Menschen auf die Straße um eine Sichtbarkeit für die Angriffe auf Rojava zu erzeugen. Die Politik reagiert nicht, im Gegenteil, sie lädt Al-Jolani sogar noch ein und zeigt keinerlei Haltung oder Position, nicht mal eine Erwähnung.
Ich fände es sehr wichtig, dieses Thema in der Sendung zu platzieren.

vielen Dank und Grüße

F

Hier ein paar Websites mit aktuellen Nachrichten dazu:

https://hawarnews.com/en/kurdistan

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Vielleicht sollte man erwähnen, dass das es sich dabei um das de facto autonome kurdische Siedlungsgebiete in Syrien handelt. War mir jedenfalls unter diesem Namen nicht geläufig.

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Ja das sollte man und das knüpft auch genau an meine Frage an, wie kann es sein, dass es so wenig Aufmerksamkeit für diese Region gibt, wo so viel errungen wurde, wie Frauenrechte, Gleichstellung, demokratische Selbstorganisierung, Ökologie etc.

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Ich fürchte es ist nichts wirklich Neues, dass nicht nur die USA als Schutzmacht, sondern auch die Öffentlichkeit in vielen Ländern - auch in Deutschland - sich nie wirklich für die kurdische Bevölkerung in Syrien (und anderswo) interessiert hat, sondern kurdische Kräfte unterstützt hat, solange man sie brauchte - zum Beispiel gegen ISIS. In den letzten Jahren gab es eine Art Schwebezustand, schon gegen die ständigen Angriffe der Türkei und türkischer Söldner hat niemand wirklich etwas gesagt oder gar getan. Und nun haben die USA unter Trump ihre einstigen Verbündeten endgültig fallen gelassen und setzen stattdessen auf Al-Shaara aka Jolani.
Aber einfach so zu tun als seien Jolani & Co Wiedergänger von Daesh aka ISIS wird der Sache m. E. auch nicht ganz gerecht. Zur Wahrheit gehört auch, dass die Syrian Democratic Forces (SDF) im Nordosten Syriens auch mehrheitlich von Arabern (also nicht Kurden) gewohnte Gebiete kontrolliert haben. Viele lokale Machthaber in dieser Region sahen die SDF zwar als das kleinere Übel im Vergleich zu Assad oder ISIS an, haben sich nun aber auch auf die Seite von Jolani & Co geschlagen.

In diesem Podcast (ca. 20 Minuten) wird die Lage - auch mit etwas Blick auf den Irak und den Iran - m. E. ganz gut einsortiert:
https://www.freie-radios.net/140461

Aus dem Artikel “ Der Traum von Rojava ist Geschichte” in der SZ von heute, 2.2.2026:

Teaser: “Syriens Kurden haben ihren Kampf verloren. Der Zentralstaat unter der neuen Regierung setzt sich durch. Szenen aus einem Land, in dem die Menschen nicht wissen, was jetzt auf sie zukommt.”

Dass die Kurden in Syrien jahrzehntelang unterdrückt wurden, weiß jeder. Tatsache ist aber auch, dass das Zusammenleben von Kurden und Arabern im Kurden-Staat „Rojava“ nicht funktioniert hat. Die Kurdistan-Freunde in Deutschland hatten beim Loblied über das demokratische, liberale Wunderland ziemliche Wahrnehmungslücken. Das Kurden-Paradies war kein Paradies. Es war ein grauer Militärstaat. Getragen von Kadern der türkischen PKK, die in Ankara, in Berlin und in Brüssel als Terrortruppe gilt.

Am Leben gehalten wurde Rojava von den USA, ihrem Geld, ihren Soldaten. Heute sind die Interessen der Amerikaner andere: Donald Trump ist Freund mit Ahmed al-Scharaa, Syriens neuem starken Mann. Also hat Trump die Kurden fallen lassen. Mitsamt ihrem Staat, der kein Staat war.

In Damaskus ist ein Mann an der Macht, der den Nationalstaat erhalten, die rebellischen Minderheiten ins Glied zwingen, den Bürgerkriegsstaat Syrien wieder in der internationalen Gemeinschaft verankern will. … Damit er seine Herrschaft sichern kann, muss er die Minderheiten unter Kontrolle kriegen. Allen voran die Kurden.

Das Zusammenleben von Kurden und Arabern hat seit der Staatsgründung Syriens schlecht funktioniert – so wie in der Türkei, im Irak, in Iran. Die syrischen Araber sind, jedenfalls außerhalb der Metropolen, erzkonservative Muslime. Traditionell einerseits, eisenharte arabische Nationalisten andererseits.

Syriens Kurden hingegen – zumindest die, die durch die PKK-Schule gegangen sind wie die Frauen der Familie in Raqqa – hängen einer pseudo-modernen, sozialistisch grundierten Weltsicht an. Vorrang des Islam, Vielehe? Geht nicht. … Diese von weiblichem Selbstbewusstsein strotzende Weltsicht stößt bei den arabischen Stammesleuten der Euphrat-Ebene auf Unverständnis.

Unbestreitbar ist, dass Teile Rojavas keine kurdischen, sondern mehrheitlich arabische Siedlungsgebiete sind: Syriens nordöstlichen Provinzen Deir ez-Zor und Raqqa, Teile der Provinz al-Hasaka. Die eigentlich kurdischen Gebiete liegen nahe der türkischen Grenze. Aber Qamischli, Kobanê, Afrin allein sind viel, viel kleiner als Rojava.

Der syrische Fast-Kurdenstaat war eine Begleiterscheinung des Bürgerkriegs. Weil Diktator Baschar al-Assad sich auf seinen Kampf gegen die Aufständischen rund um Damaskus, Aleppo, Daraa und Idlib konzentrieren wollte, überließ er den Kurden den Nord-Osten. Als der „Islamische Staat“ (IS) sein Kalifat ausrief und Teile des Irak und Syriens mit unvorstellbarem Terror überzog, dienten die Kurden den USA als Fußsoldaten. Die Kurden, ein Teil von ihnen war PKK, schlugen den IS im irakischen Mossul und im syrischen Raqqa und Deir ez-Zor in die Flucht. … So fiel Nord-Syrien den Kurden ganz in die Hand, als Schutztruppe gegen die Kopfabschneider des IS.

… Die Kurden haben nichts aufgebaut, die arabischen Gebiete vernachlässigt. Die Region, die die Einheimischen wegen ihrer Lage zwischen den Armen des Euphrat „die Halbinsel“ nennen, war [aber] schon immer abgeschlagen.