Abschneiden der AfD in Sachsen

Hallo,
wie erklärt ihr euch das Abschneiden der AfD nach der Bundestagswahl in Sachsen und Teilen Thüringens?
Was sind die Ursachen, wie kann man diese Leute bis zur nächtsen Wahl wieder zurück holen?
Eine Analyse dazu von 2017 nach der BTW.

Grüße

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Man holt diese Leute gar nicht zurück. Niemand, um Wiglaf Droste zu paraphrasieren, wählt die AfD, weil man sich über ihre Ziele oder ihre Haltung täuscht, im Gegenteil. Man sorgt dafür, dass die parlamentarischen Repräsentant:innen dieser Leute niemals in die Lage kommen, politische Macht auszuüben. Man mobilisiert die eigene Wählerschaft und demobilisiert die Wählerschaft der AfD. Wer das Projekt verfolgt, Stimmen von der AfD zurückzuholen betreibt damit (glücklicherweise) nicht nur politischen Selbstmord, sondern macht sich auch noch zum Steigbügelhalter antidemokratischer Kräfte. Looking at you, Sahra.

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Dieses „in die Ecke stellen“ ist so bevormundend. Die werden nicht in eine Ecke gestellt, die haben sich selbst dorthin gestellt.

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Warum solle man auch rechts sein nur weil man eine Partei wählt die ebenso wie der Großteil ihrer Substrukturen und Jugendorganisation fast überall vom VS überwacht werden ^^
Man muss keinen Fakelmarsch machen, um rechts zu sein und nur weil jemand (noch) kein verfestigtes NS Weltbild hat heißt es nicht das es kein Problem ist. Die Nazis sind selbst unter den Faschisten das Extrembeispiel die können doch wirklich nicht unsere Messlatte sein.

Was meinst du eigentlich mit kontraproduktiv ? Die Ideologie und Ansichten von Leuten bzw. ihren Unterstützern historisch einzuordnen und damit zu benennen kann ja wohl kaum kontraproduktiv sein. Zu mal wenn es dir darum geht, dass man mit diesen Leuten reden oder sie irgendwie überzeugen muss, unterschätzt du wie viele dieser Leute drauf sind. Ich arbeite in ganz Sachsen in der polit. Jugendbildung. und hab länger in Dresden gewohnt, das ist nicht witzig und für Gespräche mit Afdlern brauchste einiges an psychischer Resilenz und Zeit und ich bin weiß und männlich die Erfahrungen die ich von anderen Leuten mitbekommen habe reichen von extrem belastend über gefährlich bis hin zu unmittelbar gefährlich. Auch im Dresdner linksalternativen Studentenviertel…

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Hallo Hufschmied,
was würdest du denn sagen, wie man AfD-Wählern ein besseres Angebot machen könnte?
Oder wollen die wirklich nur dem System den sprichwörtlichen Schraubenschlüssel ins Getriebe werfen?

Mfg
Matder

ich weiß nicht ganz inwiefern ich den Begriff besseres Angebot meinst. Solltest du es meinen im Sinne einer demokratischen rechts/konservativen Partei ? Dann auf jeden fall, das würde zumindest ermöglichen gewisse Grenzen zu ziehen, welch bei der AfD keine Rolle mehr spielen (neo nazis in der Partei, offen nationalsozialistische Thesen, wie Höcke). Das würde zumindest ermöglichen, dass sich die Leute nicht weiter radikalisieren und es Autoritäten geben würde welche zur Mäßigung aufrufen könnte. Aber wir sind hier halt in einem Kernproblem des heutigen Konservatismus bzw. der Frage was diesen Ausmacht. Ich teile nicht die These dass sich die CDU nach links bewegt hat, nur weil sie bspw. ökologische Themen ebenfalls besetzt hat. Viel hat in der CDU ja eine gewisse Anpassung stattgefunden auf eine sich verändernde Bevölkerung und veränderte Probleme. So ist Umweltschutz bspw. nicht unbedingt links.

Aber grundsätzlich bleibt Einhegung der Kerngedanke, einen rationalen Kern wird man hier schwerlich finden. Die Ideologie passiert ja spezifischen Narrativen die man nicht zuletzt nicht Deutschland nie aufgearbeitet hat, diese Ressentiments sind ja auch auch bei vielen Wählern anderer Parteien vorhanden. Am besten wohl personifiziert durch den Esoteil der Querdenker, welche die Grünen ja auch lange ignoriert haben. Nicht falsch verstehen es ist wichtig mit den Leuten zu reden, je Nach Demografie geht das sicherlich auch. Man muss in der Betrachtung halt unterscheiden zwischen jenen mit gefestigten Weltbild und jenen ohne bzw. mit welchne man auch reden kann. Beide haben sich durch ihre Stimmabgabe für die AfD zu rechten erklärt, jedoch nur ein Teil muss es sein Lebenlang bleiben. das Ist ja immer eine Moment Betrachtung.

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Auf zeitonline gibt es ja eine sehr schöne Darstellung der Gewinne und Verluste der Parteien. Hier finde ich die Interpretation des Wahlergebnisses insbesondere in Sachsen sehr schwierig. Die Karte Gewinne und Verluste zeigt das die AFD in Sachsen geringe Verluste hinnehmen musste. Die CDU hat einfach deutlich mehr verloren. Die AFD ist für mich nicht der Gewinner sondern nur der kleinere Verlierer.
Die SPD, die Grünen und die FDP konnten in Sachsen und Thüringen Zugewinne verzeichnen.
In Summe haben sich also auch in Sachsen und Thüringen mehr Menschen gegen einen national-konservativen Kurs entschieden.
Das sollte m.E. nach insbesondere der CDU bei ihrer Neuausrichtung zu denken geben.

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Hallo Hufschmied,

wenn richtig darüber nachdenke, habe ich mit meiner Frage eigentlich 2 Dinge gemeint:

  1. Von welcher anderen, zumindest nicht Verfassungs- und Demokratie-feindlichen Partei kann man AfD-Wähler, am ehesten überzeugen.
  2. Wo muss man da ansetzen. Welche Argemente brächte man.
    Sind natürlich auch keine einfachen Fragen.

Mfg
Matder

Na der Ausgangspunkt ist halt in der Deutschen politischen Kultur grundsätzlich schwierig. Deutschland hat nur sehr bedingt eine partizipative polit Kultur, sehr viel besser ist das auch nicht geworden durch die ganzen Bürgerinitiativen, die sich zwar auf eine Form von Partizipation und Volksouveränität berufen, jedoch letztlich vor allem am Output des Systems interessiert sind. Letztlich ist ja auch FFF vor allem davon getrieben, dass Klima zu retten anstatt irgendeine Idee von Politik zu haben. Entsprechend sauer stößt mir auch immer der Verweis auf „die Wissenschaft“ auf. Diesem Ansatz könnte, man versuchen den Output zu stärken (Staat als Dienstleister). Sprich sozialstaatliche Maßnahmen, Korruptionsbekämpfung, Infrastruktur verbessern etc also alles was den Staat so wirken lässt als sei er effektiv, natürlich nur unter rechtstaatlichen und normativen Gesichtspunkten. Niederknüppeln linker Demos oder Todestrafe für Kinderschänder wirkt zwar effektiv aber…
ich glaub das ist klar
Entsprechend pragmatisch sollte man hier versuchen Probleme zu erkennen, vermitteln und zu lösen. Vieles davon sehe ich aber auch in der Kommunalpolitik.

Na schon die CDU, Problem ist hier halt die Frage danach was denn jetzt die werte eines modernen Konservatismus sei, jenseits des rein prozedualen. Allerdings könnte ich mir hier auch die FDP vorstellen. Also zumindest bundesweit, allerdings würde ich sagen, dass kommunale Politiker fast wichtiger wären. An solider Kommunalpolitik mangelt es halt. Das sächsische Land ist voller neonazi Gruppierungen und Parteien, gerade im zivilgesellschaftlichen und kulturellen Bereich ist es manchen Städten und Dörfern gar nicht möglich nicht in Kontakt mit solchen Gruppen zu geraten. Was ich ziemlich interessant finde, lies dir mal die Entwicklung der KPÖ in Graz in den letzten Jahren durch. Die sind so ein Beispiel für lokale pragmatische problemorientierte Kommunalpolitk. Sprich für effektive kommunalpolitik braucht man eigentlich fast keine spezifische Partei.
(BTW auf die Einordnung der KPÖ in Bezug auf liberale demokratie und kommunismus hab ich gelinde gesagt, wenig Lust. Ich würde es dabei belassen, dass wir uns sicherlich darauf einigen können, dass was in den letzten Jahren im AfD umfeld (bzw. im Bezug auf die KPÖ wohl eher die FPÖ) passiert ist wesentlich schlimmer ist, als ein paar Kommunisten, die in Graz Toiletten in Wohungen einbauen. Wohlgemerkt reden wir hier ja „nur“ von der AfD, der Dritte weg, die IB, die Rechte, NPD etc. sind ja in Sachsen auch vorhanden)

Einige Dörfer in Sachsen beispielweise freuen sich ja dass die rechts esoterischen von der Anastasia Bewegung zu ihnen ziehen und kulturelle Veranstaltungen machen.

Wohnungen
Infrastruktur
Kulturelle angebote
lokale Beratungsstellen
zivilgesellschaftliche Vereine
Möglichkeiten zur Selbstorganisation
und vor allem auch Schutz dieser angebote

Dann würden vielleicht nicht so viele Leute mit anderen Einstellungen wegziehen und die vorhanden Leute würde sich nicht so radikalisieren. Wer will schon in Plauen leben, wenn da ein mal im Jahr der Dritte weg mit Fackeln durchmarschiert oder die Rechte in der Fußgängerzone in Dresden den Holocaust leugnet.

Natürlich muss grundsätzlich die Strukturen von Rassismus, Antisemitismus etc. nennen und abbauen, aber für viele afdler wird das viel zu spät kommen. Das Weltbild ist ja zutiefst paranoid, da kommt mit normativen Vorstellungen oder rationalen Perspektiven kaum durch. (ja letzteres ist ein Widerspruch zum oberen Pragmatismus. Es gibt halt kaum bis keine realistischen alternativen) Beides sollte man jedoch versuchen, allein um gewisse Positionen nicht einfach so stehen zu lassen.

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Was das Engagement im kleinen angeht gebe ich dir teilweise Recht. Man kann zwar ohne Probleme in Parteien eintreten oder auf dem Land mit ein paar Jahren Aufwand ein kleines kommunales Amt bekleiden aber wieviel man da reißt ist sich die Frage.

Das mit der KPÖ ist da natürlich ein schönes Gegenbeispiel. Aber die mussten sicher auch für die Maßnahmen, die sie da gemacht haben kämpfen.

Das ist natürlich Mist, sowas sollte eigentlich aus der sprichwörtlichen Mitte der Gesellschaft kommen.
Aber angesichts des Wegzugs junger Menschen ist das natürlich schwierig. Ich sehe das mangelnde kulturelle Angebot auch als einen der Knackpunkte. Aber das bekommt man schwer ausgeglichen solange nicht die gesamte Gesellschaft bereit ist, dafür gewisse Kosten zu übernehmen.

Mfg
Matder

Hallo aus Sachsen :wink:
ja, es gibt auch Lage-HörerInnen aus Sachsen (Chemnitz) und vielleicht habe ich daher eine andere Perspektive auf das Ganze. Was mir persönlich (negativ) auffällt ist, dass zwar lautstark über „den Osten“ und die Afd gesprochen wird und das hier ganz dringend politische Bildung nachgeholt werden muss, aber das auch hier in Sachsen die Afd im Vergleich zur Bundestagswahl 2017 Prozente verloren hat (-2,4%) wird dabei nicht erwähnt. Gleichzeitig konnten die Grünen +4% zulegen, die FDP +2,8% und die SPD sogar +8,7%. Der Kommentar von Herrn Wanderwitz, der in der letzten oder vorletzten LdN genannt wurde, wurde hier im Osten eher negativ wahrgenommen. Es hatte sich angefühlt als würde man uns in den Rücken fallen und mal wieder alle pauschal als Nazis abstempeln. Ich denke das dieser unbedachte Kommentar von Herrn Wanderwitz auch ausschlaggebend für die -9,7% Verlust der CDU war. Es ist einfach ein Vertrauensbruch. Ich würde mir in der öffentlichen Diskussion mehr wünschen, dass endlich aufgehört wird zwischen Osten und Westen zu unterscheiden, dass endlich aufgehört wird von außen lautstark zu überlegen was „der Osten“ will oder ob vielleicht das Bildungssystem schuld ist. Genau solche Diskussionen führen doch dazu, dass man hier wiederrum denkt „ihr habt doch gar keine Ahnung von uns“ und sich abgrenzt.

FunFact: Von dem ca. Dreiviertel der Wahlberechtigten in Sachsen die an der Wahl teilgenommen haben, haben 75,4% die Afd NICHT gewählt (Zweitstimme)

Ja stimmt man sollte mehr über Sachsen reden und weniger den Osten^^
Es ist in Sachsen ja nicht nur die Afd sondern auch der dritte Weg, die Rechte etc neuerdings auch die Basis und Team totenhöfer und die Frage der Nichtwähler. Die CDU hier ist bekannt als einer der rechtesten landesverbände der CDU, der rcds hier war zwischen zeitlich mal so rechts, dass selbst die CDU sich von dem distanziert hat, in der letzten Europa Wahl ging ein Wahlkreis im Erzgebirge an die NPD, die afd ist hier zweitstärkste kraft, vorher war die npd im Landtag, pegida gibts immer noch…the list goes on. Aber es geht ja nicht nur um die Wahl sondern auch die Präsenz, die Rechte ist ja bspw. auch nicht zur Wahl zugelassen.
Klar bspw. der Dritte weg kommt ursprünglich aus Heidelberg, stadt der Burschis und der CDU powis ^^ Trotzdem sind die hier halt ziemlich präsent und nehmen sich auch sehr viel heraus. Was auch wiederum ein Problem ist, dass konservative hier sich nicht genug abgrenzen. Bestes Beispiel ist Dresden, die Anwohner interessieren sich nicht für Pegida oder die Proteste am 13. Februar.

Ja der Westen ist auch scheiße nazis gibs überall aber bspw. Dortmund und Sachsen haben halt besondere Probleme damit.

Nur so nebenbei, die extrem niedrige Impfquote hängt damit sicherlich ebenso zusammen, wie die wieder sehr steigenden Infektionszahlen in Gebieten wo keine Menschen leben (bspw. Erzgebirge). Die rechten etc seuchen hier das Land durch war schon letzten Herbst so und wird auch diesen wieder so sein…Das ist echt krass wie man letzten Herbst sehen konnte, wie sich vom Erzgebirge aus Corona über Sachsen ausgebreitet hat.

Man kann halt in Sachsen sehen, wie wichtige konservative Akteure zur AFD abwandern

Das ist nur teilweise richtig. Corona kennt wie alle Viren keine Landes- oder Staatsgrenzen. Da im letzten Herbst das Nachbarland Tschechien eines der höchsten Infektionszahlen in Europa aufwies und viele Sachsen/Tschechen über die Landesgrenzen pendeln ist es kein Wunder das zuerst der Erzgebirgskreis und schließlich ganz Sachsen von der zweiten Welle voll erwischt wurde. Als in Tschechien das Land dann in den Lockdown ging (Schließung von Einzelhandel und Freizeiteinrichtungen) nahm das leider unsere Bundesregierung nicht wahr, was dazu führte das hier in Deutschland (Sachsen und Bayern) eingekauft etc. wurde und sich das Virus damit sehr schnell verbreitete. Die erste (und vierte Welle) war hier in Sachsen quasi nicht Existent (Siehe RKI Dashboard), dafür aber in vielen anderen Bundesländern. (Warum fragt hier eigentlich keiner „liegt es vielleicht daran das im Westen X oder Y?“). Damals fragte man sich z.B. in Zeitungsartikeln, ob die Impfpflicht in der DDR etwas damit zu tun hat, das „im Osten“ so wenige Menschen infiziert sind. Ich kann nur den Kopf schütteln über das ständige „liegt es vielleicht daran, das damals in der DDR X oder Y?“.

Naja immerhin 331.917

Woher weißt du eigentlich das sich Dresden nicht für Pegida interessiert? Es finden regelmäßig Gegendemos statt - just saying

Das ist einfach nur falsch. Laut Bundeswahlleiter hat die NPD bei der Europawahl 2019 nur 1,3% erhalten (-3% zu 2014).

CDU: 27,4%
AFD: 28,1%
(knappe Sache)

letztendlich hilft es uns nicht weiter, das rechte Problem in den Osten zu verbannen. Wir sehen in den letzten Jahren in ganz Europa leider einen ruck nach rechts, da hilft es nicht nur auf Sachsen zu schauen, da das Problem weit größer ist.

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Ich würde gerne auf die Fragen von Matder zurückkommen. Es sind schon die richtigen Fragen, sie sind schwierig zu beantworten. Hufschmied hat es versucht, aber ich bin mit der Antwort nicht zufrieden. Das liegt aber weniger an der Ausführung von Hufschmied als mehr an der Komplexität der Frage.

Was ich daran so schwierig finde, ist die Tatsache, der Inhalt der Frage, wie ich jemanden überzeuge, eine verfassungs- und demokratiefeindliche Partei nicht mehr zu wählen. Hier frage ich mich wirklich, ob das geht. Ich möchte jemanden der gegen Demokratie ist wieder in das demokratische System zurückholen.
Das Hauptargument was man immer von diesen Personen hört, laut Medien und auch Anekdotisch, ist das man sich im Stich gelassen fühlt, das man sich „von denen da oben“ ignoriert fühlt. Dafür wählt man dann eine Partei, deren Gesinnung in erster Linie für die gesamte Situation verantwortlich ist.
Die meisten sozialen Angebote, die kommen, werden mit dem Argument verworfen, das entweder Sozialismus sei oder wenn die Steuern dafür erhöht werden müssten, man ihnen etwas wegnehmen würde.
Das deckt sich durch das Lesen der Wahlprogramme. Hier geht es immer nur darum anderen etwas wegzunehmen, weil die es ja nicht verdient haben.

Das ist auch kein Ost-West-Phänomen. Man könnte vielleicht darüber argumentieren, das „die im Osten“ sich mehr „vor denen da Oben“ schützen wollen. Das halte ich aber für eine falsche Debatte. Es wird immer wieder gesagt, es sind die Vergessenen, die Zurückgelassenen. Das ist falsch. Es sind besten Falls Leute die sich zurückgelassen fühlen (Quelle).

Die AfD ist eine Anti-Establishment-Partei. Sie ist dagegen. Das sah man an den Äußerungen der Partei während Corona. Das funktioniert in meinen Augen in einer Demokratie aber nicht. Es fällt mir hier wirklich schwer, zu sehen, wie man solche Leute von Demokratie überzeugen soll.

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Na ich wohn in Sachsen und hab auch lange Dresden gewohnt. Deswegen finde ich es sehr witzig, wenn du die 10 antifas die da regelmäßig gegendemos machen für die stadt zu vereinnahmen suchst (dankenswerterweise landen die dafür auch noch im VS bericht…). Ich hab höchsten Respekt vor den Dresdner linken und allg. den sächsischen linken aber die sind halt nicht Sachsen und auch nicht Dresden. Die Mehrheit der Dresdner interessiert sich für Querdenken und Pegida nicht. Die uni ist genauso grauenhaft was die maschingos da gegenüber den ökos abgezogen haben und ebenso wie die uni Leitung ist übel. Der 13 Februar mobilisiert noch paar Leute aber die Menschenkette von der stadt ist einfach ein witz, wenn überall rundrum neonazis den Holocaust leugnen.

Du fakelst hier nen Strohmann ab, ich hab das vorher nicht und ich hab auch eben nicht alles auf Sachsen geschoben und habe auch nochmal explizit auf heidelberg und dortmund verwiesen. Ich hab auch nichts zur DDR gesagt. Sachsen hat einfach ein massives Problem, andere Teile Deutschlands auch. Das ändert nur nichts daran das Sachsen eines der Bundesländer bei dem es aktuell massiven Handlungsbedarf gibt. Musst dich nur mal mit den lokalen polit. Akteuren unterhalten.

natürlich irgendwie witzig, dass jetzt auf die Tschechen zu schieben… Das Erzgebirge besteht aus kleinen ortschaften, wenigen einwohnern ohne größere Industrie. Eintrag ist eine Sache aber Verbreitung eine andere und infektionsraten von 400 teilweise noch höher ist schon sehr verwunderlich und du kannst dich ja mal mit Leuten aus der Region unterhalten, mir wurde von vielen kleineren Dorffesten ohne corona Maßnahmen berichtet…

Na das mit der NPD schau ich nochmal nach ob ich meine quelle wieder finde :slight_smile:

Nicht immer gleich annehmen Leute würden einfach nur gesellschaftliche Narrative übernehmen. Ich verstehe ja was du meinst und ja im westen wird gerne mal projiziert, aber ich hab ja auf spezifische Beispiele verwiesen, die sollte man aus deinem gerechtfertigten Anspruch nicht klein reden. Deutschland hat ein Problem mit rechtsextremismus, dass sich gerade in Sachsen besonders stark zeigt, aber überall vorhanden ist. können wir uns darauf einigen ?

BTW liebe ja das Zitat aus dem neuen VS Bericht Sachsen: „Mehrheitlich hielten sich (Linksextremisten) jedoch an die Corona-Schutzmaßnahmen, wenngleich eher aus… einem gesamtgesellschaftlichen Verantwortungsgefühl heraus und mitnichten aus Respekt vor dem Staat und seiner Verordnungen.“

Ich erkläre es mir mit der Schwäche der CDU. Der Osten hat sich Merz oder Söder als Kanzlerkandidaten gewünscht, bekommen haben sie Laschet. Eine rheinische Frohnatur, der in der Flüchtlingskrise Merkel den Rücken gestärkt hat. Der SPD haben viele im Osten Hartz IV und andere soziale Grausamkeiten nicht verziehen. Das war ja 1998 der erste demokratische Machtwechsel, den die Menschen im Osten live miterlebt haben. Und während viele AkademikerInnen im Westen Hartz IV nur vom Hörensagen kennen, waren die Beschäftigungsverhältnisse im Osten 2003 längst nicht so stabil. Die Grünen werden als Verbotspartei wahrgenommen, die dafür sorgt, dass Benzin, Strom, Heizung etc. immer teurer werden. Das macht insbesondere der ländlichen Bevölkerung Angst, die auf ihr Auto angewiesen ist. Ein Teil wirft den Grünen immer noch die Kriegseinsätze in Serbien und Afghanistan vor. Die Ablehnung von militärischen Auslandseinsätzen Deutschlands war tief in der DNA der DDR-BürgerInnen verankert, daran hat auch die Wende nichts geändert. Die Linke schafft es nicht mehr als Interessenvertretung der Ostdeutschen wahrgenommen zu werden. Außerdem dürften die Aussagen von Wagenknecht viele verstört haben, die sich politisch links einordnen. Daher hatten es alle Parteien bis auf die AfD schwer ihre WählerInnen zu mobilisieren.

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Da finde ich in weiten Teilen meine Region, Niederbayern, wieder.
Hier haben 15% die AFD gewählt, vor vier Jahren waren es 20%.
Manche lästern, dass hier 1949 noch gekämpft wurde, weil solange keiner mitbekam, dass der Krieg schon zu Ende war.
Die mangelnde Infrastruktur hat ähnliche Effekte, was Angst vor hohen Spritpreisen betrifft, genauso vor Ausländern, die einem den Job wegnehmen könnten, den man selbst eh nicht machen würde und die Tradition mit Füßen treten könnten (wobei dafür auch ein Münchner oder Berliner reicht).
Es stellt sich mir also die Frage, ob man nicht auf den Osten projiziert, was alle abgehängten Gemeinden betrifft.
Im Osten tritt es halt geballter auf, weil zu wenig politischer Wille da war, das Vorhandene zu fördern und statt dessen die Treuhand das Tafelsilber hat verscherbeln lassen.

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Es gibt vor allem mehr öffentliche Aktionen und Propaganda von rechten in Sachsen. Das hatte man hatte man halt in den 80ern in Bayern mit den Republikanern.

Was halt gerade in Bayern noch hinzukommt ist dass es relativ wenige linke Gruppierungen gibt, die rechtsextreme Aktivitäten und Straftaten dokumentieren im Vergleich zu Sachsen. Das gilt aber glaube auch ich für viele ländliche Regionen in Deutschland. Umgekehrt interessiert sich die öffentlichkeit trotzdem sehr wenig für die Recherchen aus Sachsen, wie sich allgemein recht wenig für rechtsextremismus interessiert wird.

Es gibt halt auch einen haufen Gruppierungen die etwas weniger laut auftreten und wodurch sich das Bild bissle verzehrrt, wie die Burschenschaftler in Heidelberg, die Anastasiabewegung in Hessen, Sachsen und Brandenburg oder die Reichsbürger in Bayern