Danke für die Entschuldigung, ist natürlich angenommen. Wäre wegen mir nicht mal nötig gewesen, ich kann gelegentlich auch etwas harscher austeilen, dann muss man auch einstecken können.
Nun, ich finde sie…in deinem Posting!
10% bei den nicht hospitalisierten, bei den hospitalisierten Patienten, vor allem denen unter Beatmung, sind es wie du korrekt schreibst mehr, meines Wissens eher so 40-60%. Und da ist deine gesuchte Kausalität zwischen Symptomschwere und Long-Covid-Häufigkeit! Zumindest fällt mir neben der Krankheitsschwere sonst kein plausibler Grund ein, warum diese Patientengruppe sonst deutlich häufiger an Long Covid zu leiden haben könnte. Daher lehne ich mich jetzt mal so weit aus dem Fenster, das Kausalität zu nennen, und nicht nur Korrelation.
Meine Position ist nicht ganz deckungsgleich mit „der FDP-Position“. Ich hatte es in diesem Thread schon mal erwähnt: wenn’s nach mir ginge, wäre die Maskenpflicht in öffentlichen Einrichtungen (+Supermärkte) noch ein paar Wochen lang als letzte verpflichtende Schutzmaßnahme erhalten geblieben, eben weil es die am wenigsten einschneidende Maßnahme ist und wir uns aktuell auf dem Peak einer Infektionswelle befinden, die man jetzt nicht noch extra anheizen muss. Hinzu kommt: ich befürworte eine Impfpflicht ab 18, die FDP bekanntlich nicht.
Aber: ich sehe gleichzeitig die latente Tendenz dazu, Sicherheit vor Infektion sehr hoch zu bewerten und ihr viele andere Bedürfnisse unterzuordnen, mit zunehmender Sorge. Was dabei unweigerlich passiert - Ansätze davon sehe ich auch z.B. in den Postings von @bruberg hier - ist, dass Kollateralschäden übersehen bzw. in Kauf genommen werden, im Tausch für ein Gefühl der Sicherheit vor einem Risiko, dessen tatsächliche Größe ebenso wolkig ist wie die Hoffnung, aus der sich die von dir kritisierte „Wird schon nicht so schlimm sein“-Haltung speist. Und besonders kritisch sehe ich in diesem Zusammenhang die Rolle von Kindern. Ich bin ebenfalls Familienvater, ein Kind in der Kita, ein Kind in der Schule, und ich mache mir inzwischen weit weniger Sorgen davor, dass die beiden oder ich irgendwelche Long-Covid-Folgen davontragen, als darum, dass sie durch ewig perpetuierte Sicherheitsmaßnahmen weiterhin Einbußen in ihrem gesellschaftlichen Leben haben werden, weil wir Erwachsenen „verlernt“ haben, gesundheitliche Risiken einzugehen, die zum Leben nun einmal dazu gehören, und weil wir Erwachsenen diese verzerrte Wahrnehmung nochmals massiv weiter verzerrt an die Kinder weitergeben (die ja sowohl was Covid-19 direkt als auch Long-Covid angeht gemäß einhelliger wissenschaftlicher Meinung signifikant weniger Risiko tragen als Erwachsene). Und sie so gewissermaßen zu unserer persönlichen Risikominimierung instrumentalisieren; ob wir das nun beabsichtigen oder nicht, es ist das, was faktisch geschieht.
Die konkrete Frage der Maskenpflicht ist da nur die Spitze des Eisbergs - und eine, bei der ich wie gesagt kompromissbereit bin. Sie ist ein Stück weit sicher auch ein Symbol für die unterschiedliche Risikowahrnehmung und -einschätzung, also für den eigentlich darunterliegenden Konflikt, und obwohl ich mich bemühe, sie davon so gut es geht zu trennen und als „neutrale“ Schutzmaßnahme zu sehen, behaupte ich, dass das unmöglich ist, allein schon weil sie uns tagtäglich an Corona erinnert und somit unsere Risikowahrnehmung sehr beeinflusst.
Mir ist bewusst, dass meine Haltung etwas empathielos erscheinen kann. In dem Zusammenhang würde ich mich an der Stelle auch gern entschuldigen, und zwar bei @bruberg, dem ich wiederum in einigen Postings hier in etwas ruppigem Tonfall gegenüber aufgetreten bin. Ich denke, dass etwas an seiner Aussage dran ist, dass unsere jeweilige Risikowahrnehmung fundamental dadurch geprägt wird, ob wir jemanden persönlich kennen, der größere Probleme mit Corona hatte oder nicht. Ich kenne in der Tat persönlich mehr Leute, die unter den Kollateralschäden der Schutzmaßnahmen in irgendeiner Form gelitten haben oder noch leiden, als solche, die gesundheitliche Probleme mit Corona bzw. Long-Covid hatten oder gar daran verstorben sind. Das färbt ganz sicher auch meine Einschätzung der Dinge.