474 Gas-Kathie: Wie groß ist das Problem der Dunkelflauten? Wem gehören eon, RWE und Co.?

Um Himmels Willen! Ich habe ganz bestimmt nicht die Lobby-Ministerin Katharina Reiche in Schutz genommen. Ich habe nur darauf hinweisen wollen. Es gibt sie, die Dunkelflaute, und zwar über mehrere Länder hinweg und so lange, dass man das nicht mit Batterien lösen kann. Sondern dafür fossilen Reservekraftwerke benötigt, die in solchen (seltenen!) Fällen schnell hochfahren können müssen. Wie viele Kapazitäten wir vorhalten müssen und ob das nicht auch mit den Bestandskraftwerken geht, habe ich nicht nicht verstanden.

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Aus Gründen der Transparenz und Einordnung zitiere ich aus dem Artikel:

Ganz offen will das kaum jemand benennen, aber hinter vorgehaltener Hand wünschen sich manche Reiches Vorgänger Robert Habeck zurück. Anfangs sei man ja skeptisch gewesen bei Habeck, das hört man jetzt immer wieder.

Hat der Redakteur das im Kaffeesatz gelesen oder wer wünscht sich Habeck zurück?

Der später zitierte Politikberater Johannes Hillje war 2014 Wahlkampfmanager der (europäischen) Grünen und berät auch heute noch vor allem die Grünen.

Es liegt sicher einiges im Argen im Wirtschaftsministerium, aber es wäre schön, wenn man Fakten bringt und keine Geschichtenerzählung als Beleg anführt.

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Ich bin mir auch nicht mehr sicher, wer jetzt für was einen Plan aufstellen muss und wer was beweisen muss. Ich versuche mal verständlich zu machen, was meine Position ist.

JanLukas hat keine gleichwertigen Alternativen genannt. Wenn ich Medizin studiere und nach einem Plan suche, wie ich eine Klausur bestehe, dann ist „Surflehrer auf Bali werden“ zwar auch etwas, was ich tun könnte, aber keine Alternative Lösung.

Aber im Kern beschreibt er das Problem: Reiche/CDU scheint Klimaschutz und alle Ziele&Verpflichtungen, die wir eingegangen sind, als optional. Nichts tun wäre ja auch ne Variante.

Siehe oben. Ich halte sie zwar für unfähig, aber ihre Agenda vertritt sie ja eigentlich ganz erfolgreich.

Man soll halt das tun, was notwendig ist, um die deutschen Klimaziele zu erreichen. Dazu gehört auch, mehr für einen stärkeren Ausbau von EE zu tun. Und natürlich müssen wir für Net-0 auch mehr als nur die Stromerzeugung ohne fossile Brennstoffe hinbekommen. Das bedeutet Elektromobilität, Wärmepumpen, Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur, etc. Dafür haben wir einen Klimatransformationsfonds.
Sorry, ich habe kein Wirtschaftsministerium unter mir, ich kann nicht kurzfristig mit einem Plan aufwarten, der deinen Ansprüchen genügt.

Von sinkenden Gesamtenergiebedarf habe ich hier eigentlich nichts gelesen. In einem anderen, ähnlichen Thread, ging es um den sinken Primärenergiebedarf. Den Gas-Kathie für konstant hält. Was halt einfach falsch ist. Spielst du darauf an? Primärenergieverbrauch | Umweltbundesamt

Ich verstehe nicht worauf du hinauswillst.
Du kannst doch nicht ernsthaft glauben, dass Frau Reiche darauf hinarbeitet, die Ziele des EEG zu erreichen? Das ist doch genau das Problem.

Und nein, ich habe keine detaillierten alternativen Pläne ausgearbeitet.

In der Lage werden manchmal solche Dinge wie Hintergrundgespräche erklärt, da sagen Menschen Dinge, ohne dass man sie dazu zitieren darf. Ist recht naheliegend, dass der Redakteur genau das beschreibt. Aber vielleicht denkt er sich das ja auch nur aus oder hat versehentlich nur mit Grünen gesprochen…

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@vieuxrenard wäre das nicht mal ein Thema wert?

Eventuell mit Beispielen aus der Praxis,

Eventuell wäre hier Interview Partner zu finden.

Ein mögliches Beispiel könnte Tübingen sein mit dem prominenten OB Palmer

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Mir scheint, du hast dich entweder vertippt oder deine LLM-Antwort nicht noch mal gelesen. Nur die Werte zu nennen hilft auch nicht wirklich zu vergleichen. Es ist schön und gut einen nationalen und einen kontinentalen Wert zu haben, aber national gilt immer noch, dass es statistisch 2/Jahr eine Dunkelflaute gibt. Die ist in Europa dann eben geringer, weil eben seltener überall Wind und Sonne fehlen. Das ist aber erst mal nur die Angebotsseite, da ist noch kein Netz dabei.

Das Verbundnetz, zusammen mit Langzeitspeichern und weiteren Flexibilitätsoptionen hilft dann, das es ausgeglichen werden kann, aber eben auch im Fall einer eintretenden Dunkelflaute in ganz Europa. In dem Sinne der Autoren, der hauptsächlich von dir zitierten Studie: „ In short, Dunkelflaute events are real — but their risk is quantifiable, structurally characterizable, and manageable through robust system design“ (Quantifying the Dunkelflaute: An analysis of variable renewable energy droughts in Europe | Research Communities by Springer Nature).

Übrigens, dieser Teil steht so schlicht nicht in der angegebenen Quelle:

Es wird weder auf eine Dunkelflaute 2024 Bezug genommen, noch das Entstehen erklärt (https://www.nature.com/articles/s43247-026-03251-2.pdf). Das nimmt dann auch die Lust, zu diskutieren, wenn man so wohl eher mit einem LLM diskutiert, als mit einem Menschen. Gerade, weil die Autoren auch nirgendwo schreiben (das hast du ihnen genaugenommen nicht unterstell, aber die Argumentation erweckt sehr stark den Eindruck), dass wir

[quote=„TilRq, post:101, topic:32602“]
dafür fossilen Reservekraftwerke benötigt, die in solchen (seltenen!) Fällen schnell hochfahren können müssen.
[/quote].

Sie haben ein vollständig erneuerbares Stromsystem und eine der Flexibilitätsoptionen ist Wasserstoff. Was also bleibt, ist die Tatsache der Dunkelflauten (das ist aber nichts neues), dass es methodisch weiter Verbesserungsbedarf in der Forschung gibt und, ganz wichtig, dass es aber auch mit einem erneuerbaren Energiesystem gelingt die Versorgung sicherzustellen.

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Ich habe mich jetzt schwer getan herauszufinden wie viel Wasserstoff (Leistung und Speicherkapazität) benötigt wird. Aber die Aussage ist, dass er - wenig überraschend - vor allem für die Langzeit Speicherung und Wiederverstromung verwendet wird.

Das bedeutet doch aber de Fakto nichts anderes als, dass es mittelfristig wenig Alternativen zu Gaskraftwerken als Backup gibt. Anders wäre das, wenn die Studie zeigen würde, dass erneuerbare Überkapazitäten und Bedarfsflexibilisierung langfristig ausreichen, um saisonale Schwankungen und Dunkelflauten ökonomisch auszugleichen.

Wenn ich aber auf Wasserstoff im großen Stil setze, dann muss ich mich selbst im best Case Szenario damit anfreunden dass der Hochlauf noch sehr lange dauern wird (>10 Jahre, vermutlich eine der am spätesten verfügbaren Technologien) und mein Energiesystem in der Zwischenzeit ja auch irgendwie funktionieren muss.

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Das war nicht der Fokus der Studie, daher ist dort (leider) keine Information zu enthalten. In dem Kontext der Studie ist es aber dennoch nicht korrekt von fossilen Kraftwerken zu sprechen. Es geht um ein erneuerbares System, dass irgendwann in der Zukunft (hoffentlich eher bald) besteht und keinen Übergang dahin. Ich kann also auf dieser Basis nicht schlussfolgern, dass es fossile Kraftwerke sein müssen, sondern nur, dass es möglich ist mit erneuerbaren und entsprechenden Flexibilitätsoptionen auch eine extreme Dunkelflaute zu meistern.

Wobei der Hochlauf von Wasserstoff vor allem politisch so gewollt, oder sagen wir besser akzeptiert ist. Ist vor allem eine Frage der Subventionen.

Ist das so? Rechnen die Studien rein ökonomisch?

Meinst du das Wasserstoffnetz damit? Die Technologie an sich ist denke ich nicht das Problem

Ich denke mal eher, das Problem ist eher, die Wasserstofferzeugungskapazität herzustellen. In Saudi-Arabien gibt es riesige Projekte, die schon in der Umsetzung sind und auch in China wird groß investiert.

Da aber auch viele Chemie-, Stahl- und weitere Industrien massiv grünen Wasserstoff brauchen, wird es viel, viel, viel mehr Herstellung von grünem Wasserstoff brauchen. Dafür braucht es mehr politischen Willen.

Außerhalb der EU sorgt der CBAM dafür, dass es z.B. erste Hersteller von grünem Stahl in China gibt.

Innerhalb der EU ist der Anteil erneuerbarer Energien noch zu gering um durch dauerhaft hohe Verfügbarkeit bei geringen Strompreisen den Hochlauf rein marktgetrieben hinzugekommen. Da braucht es höhere CO2-Kosten, mehr EE-Ausbau und weitere politische Leitplanken, die momentan leider nicht aufgestellt werden.

Lichtblicke:

  • Mit Nucera ist eine Thyssen-Krupp Konzerntochter Weltmarktführer bei der Produktion von Elektrolyseuren.
  • Die Elektrolyse-Kosten fallen mir Skaleneffekten deutlich. Jedes Jahr ca. 10%
  • Sonnenstrom ist bereits sehr günstig
  • Der Batteriehochlauf macht grünen Strom verfügbarer über den Tagesverlauf - Hier müsste EU-Regelwerk folgen, die eingespeicherten CO2-armen Strom auch als Grünstrom bei Ausspeicherung qualifiziert
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Ja, Du hast recht. Dass Dunkelflauten auch im europäischen Kontext durch großräumige Hochdrucklagen entstehen, ist nicht durch diesen Artikel belegt. Es ist allerdings eine Binse, die jeder, der Özden Terlis Wettervorhersagen in den Nachrichten aufmerksam verfolgt, weiß. Wenn Du dafür unbedingt ein Beleg benötigst:

Mockert, F., Grams, C. M., Brown, S., & Pongratz, J. (2022). Dunkelflauten in Deutschland. KIT Institut für Meteorologie und Klimaforschung – Troposphärenforschung:

Wir haben festgestellt, dass Dunkelflauten in Deutschland hauptsächlich im Winter auftreten, wenn die Sonnenleistung gering ist und die Windleistung an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen abfällt. Außerdem können die meisten Dunkelflauten mit drei der vier blockierten Wetterlagen in Verbindung gebracht werden (Blockierendes Hoch über Mitteleuropa (EuBL), Skandinavien (ScBL), oder Grönland (GL)).

DWD (Deutscher Wetterdienst, 2025):

Die ‘Dunkelflaute’-Situationen im vergangenen November und Dezember passen genau zur Großwetterlage ‘Hoch Mitteleuropa’.

Genau eine solche klare Aussage habe ich bis jetzt noch nicht wissenschaftlich fundiert gefunden!

Mir ging es um Folgendes: Auch wenn es sie nur alle 5 Jahre gibt, kann man das Phänomen der länger anhaltenden europaweiten Dunkelflauten (alle 5 Jahre) nicht wegdefinieren oder wegdiskutieren, nur weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

Ohne eine Form der Kompensation für solche Fälle bricht ein Stromnetz zusammen. Batterien (die ansonsten eine sehr wichtige Funktion im Netz haben) sind hierfür nicht geeignet.

Ob es nun (idealerweise H2-fähige) Gas-Kraftwerke sind, die eine seltene europaweite Dunkelflaute über einen längeren Zeitraum hinweg kompensieren oder ob die Netzbetreiber Verbraucher vom Netz nehmen müssen - das ist für mich bis heute nicht geklärt.

Das alles hat nichts mit dem zu tun, was Kathi Reiche offenbar vorhat: Die Energiewende zurück zu drehen, damit die Gas-Unternehmen, deren Interesse sie offensichtlich vertritt, noch längere gut verdienen.

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Stimmt. Das ist der Hauptgrund für die Verzögerung. Mein Punkt ist allerdings: auch wenn alle Akteure perfekt mitspielen werden wir noch einige Zeit brauchen. Wenn wir im jetzigen Tempo weiter machen, werden wir auch bis zum Ende des Jahrhunderts nicht genug Wasserstoff haben.

Die mir bekannten großen Studien (z.B. Agora / Fraunhofer ISE) berechnen das ökonomischste Szenario um bis zum Zeitpunkt x klimaneutral zu werden. Teilweise mit Variation der Randbedingungen.

Ich meine vor allem das Hochskalieren und das Absenken der Kosten. Infrastruktur ist sicher auch ein Punkt. “Technologie” ist tatsächlich nicht ganz der richtige Begriff.

Am Ende ist jedenfalls die Geschwindigkeit mit der dieser Hochlauf stattfinden nicht unwesentlich wichtig für die Frage, wie viel Gas wir brauchen. Ich verstehe schon, dass man auch eine self-fulfilling-prophecy schaffen kann, wenn man jetzt viel Gas ausbaut und dann wenig Energie in den Wasserstoff-Ausbau steckt. Auf der anderen Seite kann es 1000 Gründe jenseits von fehlender Ambition geben, dass es länger dauert als erhofft. Ein sinnvoller Kompromiss wäre daher m.E. schön dass man zweigleisig fährt und eine moderate Menge an Gaskraftwerken zubaut und dabei den möglichen späteren Umbau auf Wasserstoff mitdenkt. Dass es seitens unserer Wirtschaftsministerin zusätzlich noch viel stärkere Ambitionen im Ausbau von Speichern, Wasserstoff und Erneuerbaren braucht ist klar. Hier ja aber auch weitgehend Konsens. Das andere Extrem - dass ich sage ich baue keine oder nur die geringste denkbare Menge an Gaskraftwerken aus und hoffe, dass das dann schon reicht ist für mich aber auch keine sinnvolle Lösung und könnte im schlimmsten Fall die Transformation sogar ausbremsen.

Frauenhofer rechnet mit knapp 800 TWh Import von Wasserstoff und synthetischen Kraftstoffen. Dazu kommt noch eigne Erzeugung, die schwankt aber nach Wetterlage im Modell.

Ich glaube schon die gibt es, aber ist halt auch nen Lobbyverein für EE und Firmen die davon profitieren. Die gibt es ebenfalls…. Also man findet schon seine Wirtschaftsvertreter.

Das wäre vermutlich das „Habeck-Scenario“?

Studien basieren auf Annahmen. Die werden von erfahrenen Experten geliefert und werden in den Berechnungen berücksichtigt. Ehrlich gesagt war mir Habeck zuletzt zu konservativ, denke aus politischen Gründen. Bin da eher bei Quaschning und Kemfert. Wenn wir zwei Wahlperioden grün hätten, ohne FDP oder CDU, dann wäre die Energiewende eine schöne Geschichte für den Rückblick

Statt dessen lassen wir es zu, dass die Konservativen Land und Wirtschaft ruinieren

Kann auch weniger sein. Agora hat das m.E. gut kommuniziert und gesagt es reichen auch erstmal 10 GW. Wenn die Strategie von Frau Kemfert jetzt ist, auf das eine Extrem-Szenario mit dem anderen zu antworten, dann weiß ich nicht wie geschickt das ist. Extrem-Szenarien sind halt auch extrem angreifbar.

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Das sind Netto zubau zahlen 10 GW. Dort sind die Pläne von Frau Reiche nichtmal….

Dafür müsste man sich anschauen,was die nächsten Jahre vom Netz geht.

Studie: Wege zu einem klimaneutralen Energiesystem – Bundesländer im Transformationsprozess - Fraunhofer ISE Studie: Wege zu einem klimaneutralen Energiesystem – Bundesländer im Transformationsprozess - Fraunhofer ISE

Das sind Bedarfszahlen, der Gasbedarf wird bis 2035 stark steigen, relativ und absolut nach den Projektion.

Das narrativ der Import unabhängigkeit ist im übrigen auch Flasch. Wir werden immer Energie Importeur bleiben…. Egal mit welchem System.

Ich kenne die Studie und die Zahlen (von denen reden wir ja in diesem Threads auch schon eine ganze Weile) und mir ist auch klar, dass sie kein Ausreißer und ganz offensichtlich kein Produkt einer fossilen Lobby sind. Daher ist mir wie gesagt auch völlig schleierhaft, wie man sich ein Szenario vorstellen soll, in dem der beige Balken seit 2023 grob auf demselben Niveau bleiben soll.