Nachdem ich am Bahnhof ein großes Plakat der DB gesehen habe, das angekündigt hat, dass der Bahnverkehr ab März endlich kostenlos ist, habe ich mich kurz gefreut. Nun hat sich herausgestellt, dass das ganze eine Aktion des Widerstandskollektivs war. Vielleicht ist es aber trotzdem eine Erwähnung in der Lage wert, zusammen mit ein paar Hintergrundinfos: Wäre ein kostenloser ÖPNV in Deutschland sinnvoll? Was würde das kosten? Hätte das auch Nachteile?
Coole Idee.
Würde ich als sinnvolles Angebot des Staates zur Mobilität sehen.
Nur: möchte man als Staat das Menschen vom Auto zur Bahn wechseln?
Keine Mehrwertsteuer beim Autokauf oder Reparaturen, keine Mineralölsteuer, keine Versicherungssteuer, weniger Einnahmen für Wirtschaftsunternehmen.
Dazu muss der ÖPNV aber dann finanziert werden
Dafür auch weniger Kosten wegen Verkehrsunfällen, weniger Ausgaben für Straßen und Autobahnen, weniger Gesundheitsschäden wegen Abgasen und Reifenabrieb. Und die Menschen würden das gesparte Geld ja vermutlich trotzdem ausgeben, Steuern fallen also weiter an. Eine echte wissenschaftliche Untersuchung zu den volkswirtschaftlichen Effekten wäre interessant, aber meine eating wäre, dass es für den Start insgesamt positiv ausgeht. Zumal er ja auch andere Steuern erheben kann, um den Zahlungsausfall zu kompensieren.
Das Problem sind wohl eher die Interessen der Industrie und reicher Menschen und die scheinen heutzutage ja das Regierungsprogramm mehr oder weniger zu diktieren.
Naja, welche „Einnahmen“ hat eine wirtschaftsorientierte
Regierung eher im Blick: Umsatzzahlen oder (geringere)
Unfallzahlen? ![]()
Eine Regierung, die die Staatsausgaben senken und die Wirtschaft nachhaltig fördern will wohl eher die Unfallzahlen. Aber da unterstelle ich schon wieder guten Willen und eine kohärente Politik ![]()
Eigene Erwartungen treffen auf …. ![]()
Aber Scherz beiseite.
Ich denke schon das ein Faktor für das sehr zurückhaltende Setzen auf ÖPNV schon ist, das man eher viel Autos verkaufen will, weil da die „Verdienstkette“ stringenter ist.
Hinsichtlich Unfallzahlen oder Umwelt ist man eher „technologieoffen“.
Es gibt ein Papier des Bundestags von 2020, das sich mit Studien zu dem Thema befasst.
Es waren demnach auch fünf Modellstädte geplant, man konnte sich aber nicht auf eine Finanzierung einigen.
Entscheidende Punkte für mich:
Im Ergebnis blieben die erwarteten positiven Effekte auf die Umwelt allerdings aus. So stellen eine Erhöhung der Kraftstoffpreise oder Tempolimits aus Sicht der Forschenden effektivere Alternativen zum kostenlosen Nahverkehr dar.[…]dass Tarifsenkungen im ÖPNV nur im Rahmen eines ganzheitlichen Gesamtkonzeptes, das auch effektive begleitende Anreize zur Verkehrsvermeidung im motorisierter Individualverkehr umfasse, wirksam seien.
Definitiv. Gerade bei schlechtem Wetter ist die Versuchung groß, den ÖPNV zu nutzen, auch wenn ich sonst Füße oder Fahrrad nehme. Das führt an solchen Tagen zu einer Überlastung. Wer aus Bequemlichkeit heute das Auto nutzt, wird das auch weiterhin tun, da der Preis hier nicht der entscheidende Punkt ist - es sei denn, das Auto wird spürbar teurer. Freizeitfahrten werden zunehmen und damit an freien Tagen diese Regionen noch mehr überlaufen - wenn man das Wort Teilhabe einbringt, kann man letzteres aber auch als Vorteil sehen.
Die Bahn hat grad auch andere Probleme:
Eingeschränkt würde ich hier definitiv zustimmen. Es gibt schon das Potenzial durch besseren und günstigeren ÖPNV Leute dazu zu bringen, kein Auto zu haben, ein Auto weniger zu haben oder das Auto weniger zu nutzen. Auch viele Stundenten haben kein Auto, hier hätte man Potential die davon abzuhalten jemals aufs Auto umzusteigen.
Aber generell stimme ich mit dir überein, dass man für Autofreie Städte ein Zuckerbrot und Peitsche Prinzip bräuchte.
Seh ich jetzt nicht so als Problem, regelt sich denke ich von alleine. Und wie dur sagst, der Grund warum die Züge aktuell nicht überfüllt sind, ist auf Kosten dessen, dass nicht alle die Chance nutzen können
Würde ich zustimmen.
Das Angebot bestimmt beim ÖPNV die Nachfrage.
Ein komplett kostenloser ÖPNV wäre aus meiner Sicht keine gute Idee, weil Busse und Bahnen schon heute oft überfüllt sind, viele Leute damit einfach nur Spaßfahrten machen und der ÖPNV in großen Städten teilweise dreckig und unsicher wirkt. Wenn man das komplett gratis macht, verstärkt sich dieses Problem eher noch, sodass ich persönlich bestimmte Strecken oder Tageszeiten weiterhin meiden würde und am Ende wahrscheinlich sogar häufiger mit dem Auto fahren müsste. Sinnvoller wäre ein Modell mit zuverlässigen Basisfahrten, die wichtige Strecken in längeren Intervallen abdecken, und zusätzlich sauberere und sicherere Premium‑Fahrten für Arbeitnehmende und Pendelnde, die wirklich auf ein funktionierendes System angewiesen sind.
Was bitte sind „Spaßfahrten“?
Also reine „Spaßfahrten“ haben wir in der H-Bahn an der Dortmunder Uni gemacht, sie werden vermutlich in der Schwebebahn in Wuppertal gemacht, aber niemand setzt sich einfach nur in einen Bus oder eine Bahn, um des Bus- oder Bahnfahrens Willen.
Oder meinst du mit Spaßfahrten ernsthaft, dass es negativ sei, dass die Hemmschwelle bei komplett kostenlosen ÖPNV niedriger wäre, doch mal den Freund im anderen Stadtteil zu besuchen oder dem Hobby im anderen Stadtteil nachzugehen?!? Finanziell klammen Menschen eine bessere Freizeitgestaltung zu ermöglichen wäre gerade eines der Ziele des kostenlosen ÖPNV, den ich keinesfalls als „Spaßfahrten“ framen würde.
Das größere Problem von „Spaßfahrten“ haben wir übrigens im KFZ-Bereich - das klassische „Cruisen“, also Auto fahren (im schlimmsten Fall mit hoher Geschwindigkeit auf der Autobahn) um des Autofahrens willen. Wenn ein paar Rentner jetzt wirklich „Spaßfahrten“ in der Bahn machen, um sich die Landschaft anzuschauen, sollte das nun wirklich kein Grund gegen kostenlosen ÖPNV sein.
Und wenn durch mehr Nutzung ein höherer Bedarf besteht, muss es halt eine höhere Taktung geben. Wie gesagt, die Automatisierung gerade von Bahnen ist dringend überfällig, damit die „Lokführer-Problematik“ abgedämpft wird, aber das ist ein anderes Thema. Natürlich würde ein kostenloser ÖPNV zu mehr ÖPNV-Nutzung führen und folglich müsste man ein besseres Angebot mit höherer Taktung einführen. Das ist aber doch gerade gewollt - dass dann der Zug alle 20 Minuten fährt, statt jede Stunde. Weil gerade das dann auch den ÖPNV plötzlich für viele Pendler attraktiver macht, weil man nicht im schlimmsten Fall 55 Minuten auf den Umstieg warten muss oder 55 Minuten zu früh am Arbeitsplatz ist.
Das heißt dann wenn meine Basisfahrt mit dem Bus zum Bahnhof Verspätung hat, dann muss ich nicht nur eine Stunde auf den nächsten Zug warten, sondern 3 auf die nächste Basisfahrt oder dann halt doch bezahlen? Oder der Bürgergeldempfänger der so günstig mobil wäre müsste dann für seinen Termin am Amt (oder auch beim Arzt) deutlich früher eine Basisfahrt nehmen, damit er nicht die Premiumfahrten zahlen muss?
Das würde aber doch den Nutzen von kostenlosen Fahrten quasi auf nahe Null reduzieren?
Natürlich hat der kostenlose ÖPNV den Nachteil, dass man immer einsteigen kann und somit auch die Fahrt für zwei Stationen für die man nie zahlen würde plötzlich attraktiv ist. Aber den Effekt hat man genauso bei Leuten mit den Deutschlandticket. Die müssen auch nicht mehr zahlen. Nach dieser Logik wären überhaupt Abos die nicht Streckengebunden wären in Frage zu stellen.
Für mich böte ein kostenloser ÖPNV zwei Vorteile:
-
soziale Teilhabe
-
er wäre immer günstiger als die Fahrt mit dem Auto, egal ob kurz, lang, alleine oder mit vollem Auto.
Spontan fallen mir da mehrere Beispiele ein:
1.) Bei uns hast du z.B. im Sommer Kids die gerne in klimatisierten Abteilen rumhocken, im Kreis fahren und auf dem Smartphone daddeln oder laut TikToks angucken
2.) Obdachlose die die Züge wegen Wärme/Kühle nutzen
3.) Zusätzlich anfallende Fahrten weil man weniger plant
Den Vergleich zum KFZ ist doch erstmal unabhängig davon. Tatsache ist: es fallen zusätzliche Fahrten an die die Auslastung erhöhen.
Na normalerweise kommt der Zug dann ja trotzdem oder nicht? Außerdem gäbe es da ja Möglichkeiten, dass man dann bspw. sagt “Wenn die Basisfahrt ausfällt, dann geht auch der nächste Zug”.
Und ja klar - solche Abos haben solche Nachteile. Es ist halt eine Tatsache, dass der ÖPNV gerade in und um Großstädte oft deutlich unattraktiver wird durch Überfüllung und wegen asozialer Leute. Solange wir das nicht in den Griff kriegen ist man leider gezwungen gewisse Strecken zu meiden bzw. zu bestimmten Tageszeiten das Taxi oder das Auto zu nehmen.
Aber das kann man doch nicht den Bürgerinnen und Bürgern anlasten, die einfach nur sicher und unbehelligt von A nach B kommen wollen.
Gibt es echt Kinder, die im Kreis Bahn fahren? Hat das irgendeine statistische Relevanz?
Außerdem ist “laut TikToks angucken” reine Polemik und hat nichts mit dem Thema zu tun. Ob jemand laut TikToks schaut hat nichts mit den Ticketpreisen zu tun.
War nicht ein Grund die Ticketkontrolle?
Sicherheitspersonal muss man ja nicht streichen.
Kontrolleur Kosten. Ticketinfrastruktur. Würde noch auf der “Sparen” Seite stehen. Keine Ahnung was das kostet. Sind natürlich auch Jobs die wegfallen. Aber man bräuchte ja mehr Fahrer.
Doch, das kommt zumindest hier durchaus vor. Gerade im Sommer sitzen hier regelmäßig Gruppen von Jugendlichen länger in den klimatisierten Bahnen und fahren teilweise mehrere Stationen oder Runden mit. Das ist also kein frei erfundenes Beispiel.
Der Punkt meines Kommentars war auch nicht „TikTok“, sondern generell Situationen, in denen sich Fahrgäste durch Lärm oder Verhalten anderer gestört fühlen. Ob es Musik, Videos oder etwas anderes ist, spielt dabei keine große Rolle.
Und zum Vorwurf der Polemik: Ich habe ein konkretes Beispiel für einen Aspekt genannt, der das subjektive Sicherheit- und Wohlbefinden im ÖPNV beeinflussen kann. Genau solche Faktoren werden auch regelmäßig genannt, wenn Leute erklären, warum sie den ÖPNV weniger nutzen. Das als Polemik abzutun finde ich daher ehrlich gesagt etwas unnötig zumal ausgerechnet du zuvor hier gegen Autos Stimmung machst.
Also diese Premiumfahrt gibt es weiterhin, nennt sich Taxi. Und mit den gesparten Ticketkosten für den ÖPNV kann man sich bestimmt die ein oder andere leisten. Zu sagen ich bin gegen ÖPNV, weil im Hochsommer Kids sich nicht benehmen und die Plätze blockieren ist ja echt mal ein neues Argument. Zumindest das muss man der Sache lassen ![]()
Außerdem kann der Busfahrer Menschen die sich im Bus nicht benehmen auch wie bisher die Weiterfahrt verweigern
Sehe da Null Argumente gegen.
Es besteht ein signifikanter Unterschied (nicht nur im Preis) zwischen dem Wunsch nach sauberem, sicherem und sozialem ÖPNV und Taxifahrten.
Die Aussage erinnert stark an „dann sollen sie halt Kuchen essen!“ ..